Wien. "Über Chemtrails sind Sie informiert?", fragt der Herr am Telefon sicherheitshalber nach, bevor er loslegt. Er kombiniert Physik mit Esoterik, Fakten mit Mutmaßungen. Als Zuhörer verliert man unweigerlich den Faden, weil es keinen gibt. "Die Akasha-Säule funktioniert wie eine Pumpe: Sie zieht Lebensenergie an, wandelt diese um und stößt sie wieder ab. Dadurch entsteht ein Energiefeld, das mindestens zehn Quadratkilometer weit reicht", sagt Dominik Ganzer mit Elan. "Wie ein ausgestochenes Loch" sei der Himmel über der Säule stets frei von Kondensstreifen und Smog. Eine Kundin erzählte ihm, sie fühlte sich nach Anschaffung der Säule zwei Wochen lang wie verliebt. Ein anderer Kunde könne wieder durchschlafen. Der Spaß kostet 4.499 Euro.

Michael Horak will die Säule nicht kaufen, sondern auszeichnen. Und zwar mit dem Goldenen Brett, das für den "größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres" verliehen wird. Die Säule sei ein heißer Anwärter, "weil sie so ein kurioses Ding ist und die Leute sie tatsächlich kaufen", sagt Initiator Horak. Die Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften verleiht den Schmähpreis seit 2011, um auf Personen und Institutionen im deutschsprachigen Raum aufmerksam zu machen, die unter dem Deckmantel der Pseudowissenschaften "Leute für dumm verkaufen, Ängste schüren oder Kranken das Geld aus der Tasche ziehen."

40 bis 45 Säulen hat Dominik Ganzer aus Bayern bereits verkauft. Echter Kassenschlager seien aber seine harmonisierenden Amulette, erzählt er: "Die Anfragen dazu gehen durch die Decke". Seinen Jahresumsatz schätzt er auf 300.000 bis 400.000 Euro. Sieht man sich Ganzers Internetauftritt an, wird schnell klar, dass sein Geschäftsmodell auf einem Gebilde von abstrusen Behauptungen basiert. Wissenschafter schlagen dabei die Hände über dem Kopf zusammen.

Kampf gegen Geister

Eine dieser Behauptungen ist, dass Chemtrails die Atmosphäre vergiften würden. Der Verschwörungstheorie zufolge sind nicht alle Kondensstreifen am Himmel auf Flugzeugabgase zurückzuführen, sondern auf böse Mächte, die mittels Chemikalien der Weltbevölkerung schaden möchten. Kein renommierter Wissenschafter hat diese These bisher bestätigt - die Akasha-Säule wird trotzdem zur Abwehr von Chemtrails vermarktet. Genauso fragwürdig ist das Baumaterial der Säule: Der 20 Kilogramm schwere Sockel besteht aus "Orgonit", einem Begriff, der ausschließlich in der Welt der Esoterik Verwendung findet. Die "Mischung aus Kunstharz, Edelsteinen und Edelmetallen" soll Lebensenergie ausstrahlen und basiert auf der Lehre eines österreichisch-amerikanischen Wissenschafters: Auf Wilhelm Reichs "Theorie des Orgasmus", die seit den 30er-Jahren der Pseudowissenschaft zugeordnet wird. Kurz: Ganzer verkauft eine Säule aus einem Material, das nicht existiert, um etwas zu bekämpfen, das ebenfalls nicht nachweisbar existiert.