Wiener Zeitung: Seit mehr als zehn Jahren geht ein bedrohliches Gespenst um: das Burnout. Ein Drittel der Österreicher sieht sich gefährdet. Jeder kennt den Begriff, er ist auch in den Medien dauerhaft präsent. Wissen wir genug über das Syndrom?

Es gab bereits einige Burnout-Erhebungen in Österreich, die meisten wurden nicht veröffentlicht. - © https://de.fotolia.com/foto_tech
Es gab bereits einige Burnout-Erhebungen in Österreich, die meisten wurden nicht veröffentlicht. - © https://de.fotolia.com/foto_tech

Ute Andorfer: Nicht wirklich, wir haben zum Beispiel keine genauen Zahlen. Die Klinische Abteilung für Sozialpsychiatrie im AKH arbeitet unter der Leitung von Professor Johannes Wancata derzeit an einer umfassenden Studie. Es hat acht Jahre gedauert, bis sie bewilligt wurde. Es wird die erste Studie, die flächendeckend psychische Erkrankungen in Österreich erfasst. Bisher gibt es nur Schätzungen, oder Statistiken aus Deutschland wurden extrapoliert. Und in dieser Studie wird sich ein Kapitel auch mit Burnout befassen.


Link-Tipps
Österreichische Gesellschaft für Arbeitsqualität und BurnouT: http://www.burnaut.org/

Anton Proksch Institut: http://api.or.at/
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Gab es bisher in Österreich keine Studien über Burnout?

Doch, wir wissen zum Beispiel von einer Burnout-Erhebung im Bereich der Sicherheitsdienste, aber die wurde nie veröffentlicht. Und das war nicht die einzige Studie, die nicht publiziert wurde. Auch die Ärzte wurden untersucht, und das Pflegepersonal, aber keine dieser Studien wurde der Öffentlichkeit vorgelegt.

Warum ist das so?

Da braucht es, glaube ich, nicht viel Phantasie. Da kann man schon den Verdacht bekommen, dass die Daten, die erhoben wurden, auffällig waren. Wie gesagt, es gab einige Studien zu einzelnen Berufsgruppen, aber die meisten wurden nicht publiziert. Man geht mit solchen Studienergebnissen offensichtlich sehr, sehr vorsichtig um. Deshalb ist die Studie des Sozialpsychiatrischen Zentrums des AKH auch so wichtig, weil sie uns erstmals Daten beschert, auf die wir schon lange warten. Da wurde nicht nur regional erhoben, sondern auch über alle Altersstufen, Geschlecht, Schichten und Berufsgruppen hinweg. Und dann können wir das Problem Burnout hoffentlich einmal seriös quantifizieren.

Und wie sieht es mit dem Qualifizieren aus? Wie sicher lässt sich Burnout diagnostizieren?

Wir im Anton-Proksch-Institut haben uns an der Studie beteiligt und einen eigenen Fragebogen für den Burnout-Teil entwickelt. Er nennt sich BODI – Burnout-Disorder-Inventory. Es ist ein Diagnose-Instrument, das wir aufwändig validiert haben. Es ist noch nicht publiziert, wir stehen aber knapp davor. Wir hoffen, dass BODI später ins Gesundheitssystem integriert wird, auch Hausärzte könnten damit arbeiten. Wenn wir jemanden in der Frühphase eines Burnouts erreichen, könnte das Schlimmste verhindert werden.