Der Rote Sonnenhut erfreut nicht nur Gärtner, sondern auch Mediziner. - © Fotolia/PhotoElite
Der Rote Sonnenhut erfreut nicht nur Gärtner, sondern auch Mediziner. - © Fotolia/PhotoElite

Zürich/Roggwil. Echinacea purpurea, der Rote Sonnenhut, war ursprünglich eine der wichtigsten Heilpflanzen der Prärie-Indianer Nordamerikas. Zur Anwendung kam der Saft oder der Brei aus zerstoßenem Kraut und Wurzelstücken. Heute kommt der Pflanze vor allem in der Behandlung von Infekten eine besondere Bedeutung zu. Neueste Studien zeigen, dass Echinacea Atemwegsinfektionen und damit verbundene Komplikationen bei Kindern stark vermindern und den Bedarf an Antibiotika gar um fast 73 Prozent reduzieren kann, wie Experten im Rahmen der Echinacea Scientific Conference 2018 jüngst in Zürich erklärten.

"Sechs bis acht Atemwegsinfektionen in Verbindung mit einer Komplikationsrate von 30 Prozent führen im Durchschnitt zu ein bis zwei Antibiotika-Rezepten pro Kind und Jahr", skizzierte die Schweizer Kinderärztin Mercedes Ogal bei der Konferenz die aktuelle Vorgehensweise bei Verschreibungen. Sie hatte zwischen 2016 und 2017 gemeinsam mit Kollegen eine klinische Studie mit 203 Kindern im Alter von vier bis zwölf Jahren begleitet. Dabei erhielt ein Teil der Kinder über einen Zeitraum von vier Monaten täglich ein Echinacea-Präparat, der andere Teil als Kontrollgruppe Vitamin C.

Gefahr von Resistenzen

Bei 90 Prozent der mit Rotem Sonnenhut behandelten Kinder wurde eine signifikant höhere Immunabwehr festgestellt, heißt es in der Studie. Dies reduzierte die Zahl der Atemwegsinfektionen um 32,5 Prozent und die Zahl der Fiebertage bei Erkrankten um 67,3 Prozent. In der Echinacea-Gruppe wurden zudem knapp 64 Prozent weniger Komplikationen festgestellt, die zumeist zu Lungenentzündungen, Sinusitis oder Bronchitis führen. In Summe führte dies zu wesentlich selteneren Antibiotikagaben.

Das macht grundsätzlich Sinn, denn der nach wie vor großzügig betriebene Einsatz von Antibiotika trägt zu einer Zunahme multiresistenter Keime bei. Die wichtigste Waffe im Kampf gegen Bakterien wird damit immer schwächer. Bei Viren sind die Keulen im Übrigen, da wirkungslos, gar nicht angebracht. Dennoch werden Antibiotika häufig auch verabreicht, um bei Infekten das Risiko, an einer bakteriellen Subinfektion zu erkranken, zu senken. Also vorbeugend. Selbst die Weltgesundheitsorganisation "WHO) warnt davor und fordert explizit die Reduktion des Antibiotika-Einsatzes.

"Echinacea wird keine Antibiotika ersetzen, die eine enorm wichtige Substanzklasse für die akute Behandlung lebensbedrohlicher Krankheiten darstellen", erklärte Andy Suter, Leiter Forschung und Entwicklung der A. Vogel Bioforce AG, auf deren Einladung die "Wiener Zeitung" zu der Konferenz gereist war. "Aber mit Echinacea können wir dieses wertvolle Medikament in Zukunft vielleicht seltener und gezielter einsetzen".