Verliebt sein, weiß die Wissenschaft, ist eine Mischung aus Hormonrausch, Projektion und Verlustangst. Als Wahnsinn gar, wenn der Pfeil des Amor einmal losgelassen, galt dieser Zustand wiederum den Griechen, mitunter desaströs endend, wie die Geschichte des trojanischen Krieges zeigt. Allerdings kannten die Griechen viele verschiedene Arten der Liebe: Platon etwa unterschied zwischen Eros und Philia und sah in letzterer die wahre Liebe in Form von Freundschaft, die sich aus Eros entwickeln kann. Daneben gab es auch noch Storge, eine Art freundschaftliche und familiäre Liebe, Agape (aufopfernd und selbstlos), die Pragma (vernunftbasiert) sowie Ludus (spielerisch) und Philantia, die Selbstliebe.

Die romantische Liebe wiederum ist ein modernes Konzept. Sie ist weder universell, noch ein globales Phänomen, sondern sie wird erlernt. Für viele Paare ist sie das Ideal schlechthin, die anderen Formen der Liebe vergessen lässt. Doch meist hält "die ewige Liebe" nur ein paar Jahre. Und hat es sich einmal ausgeliebt, muss man auch nicht mehr zusammenbleiben; auch die Ehe bedeutet längst kein Versprechen mehr fürs Leben. Weshalb heiraten Menschen überhaupt?

Neel Burton, For Better For Worse: Should I Get Married? Acheron Press, 2018, 220 Seiten. ISBN-10: 0992912776 - © Acheron Press
Neel Burton, For Better For Worse: Should I Get Married? Acheron Press, 2018, 220 Seiten. ISBN-10: 0992912776
- © Acheron Press

Dieser Frage geht der englische Psychologe Neel Burton in seinem aktuellen Buch "For Better For Worse: Should I Get Married?" nach. In 34 voneinander unabhängigen Kapiteln untersucht er die Institution Ehe und damit verwandte Themen wie Liebe, Sexualität, Scheidung, Religion und Familie.

Das Buch ist kein Ratgeber; es vermittelt Wissen und gibt Gedankenanstöße. Auch folgt man dem Autor in andere Länder, bis weit zurück vor unserer Zeitrechnung, ins Alte Ägypten etwa, wo es keine Heiratszeremonie gab (sobald eine Braut ihre Habseligkeiten in das Haus des Bräutigams gebracht hatte, galt ein Paar als verbunden, nach Absprache natürlich) und Ehen auf Probe eingegangen wurden. Aber auch Scheidungen liefen ganz unspektakulär ab und wurden ohne Grund vollzogen, sie musste bloß von einem Teil bloß ausgesprochen werden. Des Weiteren folgt der Leser dem Autor zu frühen schriftlichen Quellen über Orgien, die ihren Ursprung in der Verschmelzung mit dem Göttlichen hatten.