Ohne die vielen Mikroben, die, wie hier im Darm, den Körper besiedeln, wäre der Mensch krank. - © Science Photo Library / picturedesk.com
Ohne die vielen Mikroben, die, wie hier im Darm, den Körper besiedeln, wäre der Mensch krank. - © Science Photo Library / picturedesk.com

Das Mikrobiom ist die Summe aller Bakterien, Pilze und Viren, die einen Organismus besiedeln. Sie sorgen dafür, dass die Verdauung reibungslos funktioniert, schützen die Haut und beeinflussen das Immunsystem. Sind sie zahlreich vorhanden, dienen sie der Gesundheit. Werden sie weniger, fühlen wir uns nicht wohl. Störungen im Körper haben mit einem Verlust an mikrobieller Vielfalt zu tun. Wie also können wir die winzigen Helferlein möglichst bei Laune halten? Im Rahmen des Seminars "Mikrobiomdiversität vs. mikrobiologische Kontrolle" beim Forum Alpbach untersuchen Experten, inwiefern der menschliche Körper sein Mikrobiom kontrollieren kann. Was dabei zu tun ist, erklärt Christine Moissl-Eichinger, Mikrobiom-Forscherin an der Medizinuniversität Graz.

"Wiener Zeitung": Die Mikroben im Darm sorgen für eine gesunde Verdauung. Wenn sie durcheinanderkommen, gibt es Blähungen, Durchfälle und sogar chronische Bauchschmerzen. Eine geschädigte Darmschleimhaut gilt als mitverantwortlich für Allergien und Autoimmun-Erkrankungen. Wie können wir das Mikrobiom so verändern, dass Probleme verschwinden?

Christine Moissl-Eichinger: Der Körper steuert das Mikrobiom von Haus aus - unbewusst. Aber wir können es aktiv beeinflussen, weil es der Ernährung folgt: Je vielseitiger der Speiseplan, desto variantenreicher wird das Mikrobiom und desto mehr hat es zu tun. Das betrifft insbesondere den Darm, der durch Ballaststoffe angeregt wird. Medikamente verändern die Darmbakterien hingegen als Nebeneffekt. Antibiotika lassen sie entgleisen, Statine und Betablocker stören sie. Es gibt aber auch Medikamente für Diabetiker Typ 2, die das erkrankte Darm-Mikrobiom dem gesunden angleichen.

Wie schnell passieren diese Veränderungen?

Ernährungsumstellungen sollten dauerhaft sein, wenn wir das Mikrobiom zum Guten verändern wollen. Viel Obst, Gemüse und Ballaststoffe, wenig prozessiertes Essen lautet die Devise. Mit Fertigspeisen machen wir es dem Mikrobiom nämlich zu leicht. Mikroben müssen beschäftigt werden. Sie sind dazu da, etwas zu tun, und müssen ihre Funktionen ausleben. Wenn sie das nicht können, wird das Mikrobiom einseitig. In Studien wurde Mäusen über Generationen ein westlicher Speiseplan vorgesetzt mit viel Fett und viel Zucker. Die Mäuse hatten nach drei oder vier Generationen nur noch ein eingeschränktes Mikrobiom. Die Mikroben kommen aber nicht zwangsläufig zurück, wenn die Mäuse später anders gefüttert werden. Sie passen sich einseitiger Ernährung an und sind für immer verloren - zumindest bei Mäusen.