Wien/Peking. (sz) Künstliche Intelligenz kann schon jetzt zum Teil präzisere Diagnosen erstellen als mancher Arzt. Einen weiteren Schritt haben nun chinesische Forscher gemacht. Sie haben eine künstliche Intelligenz entwickelt, welche die Wahrscheinlichkeit für das Aufwachen von Komapatienten berechnet. Die Maschine erzielt teilweise bessere Ergebnisse als die Ärzte, wie die "South China Morning Post" berichtete. Sieben Patienten wurden von Ärzten als hoffnungslose Fälle bewertet. Die künstliche Intelligenz sah das anders: Die Patienten werden innerhalb eines Jahres wieder aufwachen, sagte sie voraus. Und die künstliche Intelligenz lag damit richtig.

Diagnose mit Gehirnscan

So auch im Falle eines 19-Jährigen, der seit einem schweren Unfall im Koma liegt. Vier Mal wurde er von einigen der besten Neurologen Chinas untersucht. Auf einer Skala, welche die Wahrscheinlichkeit für das Aufwachen widerspiegelt, gaben sie ihm sieben von 23 Punkten. Bei so einem niedrigen Stand haben die Angehörigen das Recht, die lebenserhaltenden Maßnahmen zu beenden. Die künstliche Intelligenz analysierte die Gehirnscans und kam auf 20 Punkte. Er wachte innerhalb eines Jahres wieder auf.

Die Maschine untersucht die Gehirnscans der Komapatienten mittels funktioneller Magnetresonanztomographie, welche die Gehirnaktivitäten anhand von winzigen Veränderungen in der Durchblutung misst. Solche Aktivitäten können von den Ärzten teils nicht direkt erkannt werden, weil sie schlicht zu zahlreich und komplex sind. Die künstliche Intelligenz kann diese Details hingegen genauestens überprüfen. Aber auch Maschinen machen Fehler. Einem 36-Jährigen, der seit einem Schlaganfall im Koma lag, gab sie - so wie die Ärzte - nur wenige Punkte. Er wachte in weniger als einem Jahr wieder auf.