Wien. Fische aus arktischen Seen sind stark mit Quecksilber belastet. Wie ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachblatt "Environmental Toxicology and Chemistry" berichtet, werden bei einem Fünftel der untersuchten Seesaiblings-Populationen vor allem aus Kanada und Grönland jene Quecksilber-Werte überschritten, bei denen negative Effekte auftreten. Die Forscher um Benjamin Barst vom Water and Environmental Research Center der University of Alaska haben einerseits existierende Studien zusammengefasst, andererseits eigene Messergebnisse beteiligter Wissenschafter herangezogen. So untersucht Günter Köck vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften seit mehr als 20 Jahren etwa die Anreicherung von Schwermetallen auf Seesaiblinge.

In der Nahrungskette

Für die Studie lagen Daten von 1569 Seesaiblingen aus 83 Seen vor, vorwiegend aus Permafrostgebieten Kanadas und Grönlands, aber auch aus Norwegen, Frankreich und aus zwei Gebirgsseen in Österreich, vor. Bei 21 Prozent der untersuchten Populationen wurde im Mittel jene Quecksilber-Konzentration (0,33 Mikrogramm pro Gramm Muskelfleisch) überschritten, ab der toxische Effekte bei den Fischen auftreten können. Bei den Saiblingen aus den Tiroler Gewässern Schwarzsee ob Sölden und Rotfelssee waren die Werte zwar sehr niedrig, aber dennoch höher als noch im Jahr 1994.

Schwermetalle gelangen aus Industriegebieten in die Seen. Das metallische Quecksilber wird vor allem von Bakterien im Wasser und umliegenden Feuchtgebieten in das hochgiftige Methylquecksilber umgebaut. Diese Form gelangt sehr leicht in die Zellen von Lebewesen und reichert sich in der Nahrungskette an. Bei den Fischen können damit die Reproduktion beeinträchtigt, die Genexpression verändert sowie der oxidative Stress erhöht sein.