In langen, kalten Winternächten spenden uns helle Sterne Trost. Aldebaran, Pollux, Rigel, Capella, Sirius und Procyon formen ein weites Sechseck am Firmament. Es verbindet die Sternbilder Stier, Zwillinge, Orion und Fuhrmann miteinander; ebenso den Großen und den Kleinen Hund.

Beginnen wir die Entdeckungstour spät abends beim Orion. Er gilt vielen Naturfreunden als prächtigstes Sternbild überhaupt. Die Ägypter wähnten darin Osiris, den Gott des Jenseits und der Wiedergeburt. Die Griechen sahen in diesem Sternbild dagegen einen riesigen, recht ungestümen Jäger. Seine drei Gürtelsterne stehen in einer auffälligen, fast perfekten Reihe: Die zwei äußeren formen ihrerseits Trapeze mit den beiden Schulter- und Fußsternen der Orionfigur.

Die genannten Sterne sind selbst allesamt Riesen, wollen einander in puncto Leuchtkraft übertreffen. Um das Licht des heißen Überriesen Alnilam in der Gürtelmitte zu ersetzen, bräuchte es hunderttausend Exemplare unserer Sonne. In Wahrheit strahlt tatsächlich jeder Stern, den wir mit freiem Auge sehen, heller als die Sonne: Ihr Schein wäre schon in 70 Lichtjahren Abstand nur noch mit optischen Instrumenten nachzuweisen. Hingegen macht sich Alnilam selbst am aufgehellten Stadthimmel bemerkbar – trotz einer Distanz von 1500 Lichtjahren.

Das Auge als kosmisches Thermometer

Der Orion eignet sich vortrefflich, um die zarten Kolorierungen der Sterne miteinander zu vergleichen. Dabei mag ein Fernglas oder Fernrohr helfen. Man stellt das Gerät etwas unscharf, verwandelt die stellaren Lichtpunkte so in kleine Scheibchen.

Wenn immer das Auge Sternfarben registriert, wird es zum kosmischen Thermometer. Mutet uns ein Stern schlicht weiß an, ähnelt seine Oberflächentemperatur jener der Sonne (5500 Grad Celsius). Mischt sich ein Hauch von Blau ins Sternenweiß, muss sein Antlitz hingegen deutlich heißer sein. So ist das zum Beispiel auch beim Rigel, dem hellen Fußstern des Orion. Auf der Oberfläche dieses Blauen Riesen würde ein Thermometer 12.000 Grad Celsius messen.

Nehmen wir aber einen pastellartigen Gelb- oder gar Orangeton wahr, so ist das Stern-antlitz kühler als das unserer Sonne. Orions heller Schulterstern Beteigeuze belegt das. Er ist auf den knapp 1000-fachen Sonnendurchmesser angeschwollen. Dabei sank die Temperatur seiner einst sehr heißen Oberfläche auf 3200 Grad. Die Tage dieses Roten Riesen sind gezählt. Irgendwann wird Beteigeuze als Supernova explodieren und uns dann monatelang hell wie der Mond scheinen.