Bizarre Gasfetzen als Partezettel – das blieb von einer Supernova in der Großen Magellanschen Wolke.  - © Esa/Nasa
Bizarre Gasfetzen als Partezettel – das blieb von einer Supernova in der Großen Magellanschen Wolke.  - © Esa/Nasa

Tausende dünne Wolken drehen sich gemächlich ums Zentrum unserer Milchstraße. Die ausgedehnten, eiskalten Gebilde bestehen fast zur Gänze aus molekularem Wasserstoff und Helium. In Prisen sind weitere Elemente eingestreut, die allesamt aus älteren Sternen stammen.

Ist genug Masse angespart, stürzt eine solche Molekülwolke in sich zusammen. Sie zerfällt dabei in Hundertschaften rundlicher Globulen, die unterschiedlich viel Material aufgesammelt haben. Im Zentrum jeder Globule verdichtet sich die Materie zu einem Gasball. Auf ihn stürzt laufend weiteres Gas ein. Der künftige Stern – in diesem Stadium noch "Protostern" genannt – wächst in seiner Globule heran wie ein Embryo in der Gebärmutter. Im Herz eines solchen Sternembryos steigen Druck und Temperatur immer mehr an, bis endlich die Kernfusion startet. Sie setzt fortan Energie en gros frei. Ein Stern ist geboren. In unserer Milchstraße passiert dies fast Monat für Monat.

Im Kern des Sterns prallen Atome mit unbeschreiblicher Wucht zusammen. Aus jeweils vier Wasserstoffatomen entsteht dabei ein Heliumatom. In unserer Sonne verwandeln sich – bei 15 Millionen Grad Celsius – in jeder Sekunde 564 Millionen Tonnen Wasserstoff in Helium. Die dabei frei werdende, nach außen dringende Energie stellt sich der schweren Last der Sternhülle entgegen. Nur deshalb bricht der Stern nicht unter seinem eigenen Gewicht zusammen.

Rote Zerge leben am längsten

Anfangs stehen die frisch geborenen Sonnen noch nahe beisammen, bilden einen Offenen Sternhaufen. Dann verlieren sie sich langsam aus den Augen. Ihr Schicksal wurde schon festgeschrieben, als sie noch in ihren Globulen steckten: Ihr jeweiliges Startgewicht bestimmt das Tempo der Geburt, das erreichbare Alter und die Art ihres Todes.

Am längsten existieren die Roten Zwerge. Diese mit Abstand häufigsten Sterne lauern überall, selbst in unserer Nachbarschaft. Sie sind schwer auszumachen. Da sie bloß 8 bis 50 Prozent der Sonnenmasse mitbekommen haben, geizen sie mit ihrem Licht. Die bescheidene Masse verringert den Druck aufs Sternzentrum, verlangsamt die Kernfusion. Der Kümmerling Proxima Centauri verfügt zum Beispiel bloß über ein Siebentel der Sonnenmasse. Obwohl er 4,2 Lichtjahre entfernt und damit der allernächste Fixstern ist, zeigt er sich bloß im Fernrohr. Proximas Oberfläche ist mit 2800 Grad Celsius vergleichbar "kühl": Selbst der Faden einer Glühbirne kann heißer sein. Auf dem Antlitz unserer Sonne beträgt die Temperatur dagegen 5500 Grad. Sie strahlt 20.000 mal mehr Licht ins All als Proxima Centauri.