Die Turteltaube ist die kleinste heimische Taube und in ihrem Bestand stark bedroht. - © Chrischan1077 CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0
Die Turteltaube ist die kleinste heimische Taube und in ihrem Bestand stark bedroht. - © Chrischan1077 CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0

Wien. Am Stephansplatz entdeckt eine Taube das übrig gelassene Stanitzl eines Kindes. Sie beginnt zu fressen, Dutzende weitere kommen angeflogen. "Guu-ru-gu". Schon haben sie den Rest verputzt und sind weitergeflogen. Im urbanen Raum sind Straßentauben nicht mehr wegzudenken, sie gelten mancherorts sogar als Plage. Sie verdrecken Denkmäler, machen Lärm, sind omnipräsent. Dass es auch andere Arten von Tauben gibt, wird daher oft vergessen. Aber genau diese brauchen besondere Aufmerksamkeit.

Neben Straßentauben gibt es in Österreich Ringeltauben, Hohltauben, Türkentauben und Turteltauben. Die Verniedlichung letzterer - "Turteltäubchen" - ist umgangssprachlich ein Kosename für Verliebte. In den kommenden Jahren könnte es sich allerdings "ausgeturtelt" haben. Denn die zierliche Taube ist selten geworden, kaum noch ist das ausdauernde und idyllische Gurren "turr-turr" zu hören.

Das Aus für Turteltauben

Vor 20 Jahren gab es noch um die 15.000 Brutpaare - heute dürften es weniger als die Hälfte sein. BirdLife Österreich geht von einem Bestandsrückgang von 58 Prozent aus. Im Vereinigten Königsreich sind es sogar rund 90 Prozent. Gründe dafür sind einerseits der Rückgang ihres Lebensraums, andererseits die teils legale und illegale Taubenjagd auf ihrer Reise in den Süden. Turteltauben sind Langstreckenzieher und überwintern im Mittelmeerraum und südlich der Sahara. Zusätzlich setzt der Turteltaube die Verwendung von Herbiziden zu. Denn das Unkrautbekämpfungsmittel dezimiert die Wildkräutersamen, ihre Hauptnahrungsquelle.

Um die Turteltaube als Brutvogel nicht zu verlieren, braucht es seitens der Land- und Forstwirtschaft einen Masterplan. Ihr Lebensraum ist nach wie vor stark bedroht. Zu diesem zählen halboffene Kulturlandschaften, Auwälder, Streuobstwiesen und offene Wälder bis 1000 Meter Seehöhe. Ins urbane Gebiet kommen sie hingegen selten, das beanspruchen die Straßentauben fast ausschließlich für sich.