- © StockAdobe/D. Nimmervoll
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Klosterneuburg/Wien. Ein Seidenkokon schützt Ameisenpuppen vor dem Desinfektionsmittel, mit dem Arbeiterinnen das Nest reinigen. Das zeigen Forscher des Institute of Science and Technology (IST) Austria bei der Ameisenart Lasius neglectus. Wie im Fachblatt "Current Biology" berichten, ist dies das erste Beispiel auf Kolonieebene für eine Immunpathologie, wie man sie auch vom menschlichen Immunsystem kennt.

Ameisen produzieren in speziellen Drüsen einen Giftcocktail, der vorwiegend aus Ameisensäure besteht. Lange nahm man an, dass die Tiere damit nur andere Ameisen und mögliche Raubtiere abwehren. Doch Sylvia Cremer vom IST Austria zeigte in zwei Studien, dass Ameisen die saure Flüssigkeit verwenden, um Nestgenossen zu desinfizieren, die mit Krankheitserregern kontaminiert und infiziert sind.

Nun konnte sie in Zusammenarbeit mit Kollegen eine weitere Anwendung der Säure zeigen: Arbeiterinnen reinigen damit prophylaktisch ein neubezogenes Nest. Dass die Tiere die aggressive Säure in ihrem Nest versprühen, stellte die Forscher aber vor eine Frage: Während erwachsene Ameisen durch ein dickes Außenskelett (Cuticula) vor dem Desinfektionsmittel geschützt sind, ebenso die Eier von einer harten Hülle (Chorion), ist die Cuticula der Puppen dünn und durchlässig. Puppen der Art Lasius neglectus hüllen sich allerdings als Schutz in einen Seidenkokon, wie die Wissenschafter herausfanden. Sie vergleichen das mit Gummihandschuhen, mit denen sich Menschen beim Putzen vor aggressiven Mitteln schützen.

Schäden gering halten

Die aktuellen Studienergebnisse vergleichen die Forscher mit einem auch vom menschlichen Immunsystem bekannten Phänomen, der Immunpathologie. Bekämpft das Immunsystem Erreger mit giftigen Substanzen, muss es gleichzeitig Schäden für eigene Körperzellen möglichst gering halten. Dieser Spagat gelingt den Ameisen auf Kolonieebene.