Wien. Denkwürdige Szenen aus Stanley Kubricks Film "2001: Odyssee im Weltraum": Der Bordcomputer HAL handelt plötzlich eigenmächtig. Er tötet Besatzungsmitglieder und zeigt Angst, weil die Mannschaft ihn nach und nach abschaltet. In der Realität ist die Künstliche Intelligenz noch nicht so weit. Doch Experten stoßen immer wieder auf Effekte, die auf die technische Plattform und nicht die Nutzer zurückzuführen sind. Über das Forschungsfeld "Machine Behaviour" sprach der US-Experte für Maschinenverhalten, Iyad Rahwan, mit der "Wiener Zeitung" am Rande eines Symposions des Complexity Science Hub in Wien.

"Wiener Zeitung": Computer-Programme lernen immer selbständiger und treffen eigenständige Entscheidungen. Dabei verhalten sie sich oft überraschend. Was genau ist Maschinen-Verhalten?

Iyad Rahwan: Wir wissen es noch nicht ganz genau. Wir kennen tierisches und menschliches Verhalten, aber ob wir Maschinen nach denselben Kriterien untersuchen können, versuchen wir derzeit, herauszufinden.

Iyad Rahwan, geboren 1978 in Aleppo, ist ein syrisch-australischer Computer- und Sozialforscher. Er ist Assistenzprofessor für Medienwissenschaft am Massachusetts Institute of Technology in Boston und forscht dort zu Selbstfahrenden Autos. - © Foto: privat
Iyad Rahwan, geboren 1978 in Aleppo, ist ein syrisch-australischer Computer- und Sozialforscher. Er ist Assistenzprofessor für Medienwissenschaft am Massachusetts Institute of Technology in Boston und forscht dort zu Selbstfahrenden Autos. - © Foto: privat

Nach welchen Kriterien wollen Sie vorgehen?

Biologen ordnen Mensch und Tier nach Zugehörigkeit zu Gattungen und Arten. Seit dem 20. Jahrhundert sucht der Behaviorismus (abgeleitet von "behavior" für Verhalten), deren Verhalten mit naturwissenschaftlichen Methoden zu erklären, und die Verfechter des Behaviorismus waren jahrzehntelang Gegner der psychoanalytischen Richtungen. Jetzt aber stellt sich die Frage, ob es nützlich wäre, das "Verhalten" von Maschinen zu studieren. Immerhin sind sie, anders als Tiere, vom Menschen gemacht. Wir haben sie zu spezifischen Zwecken gebaut und programmiert, daher sollten wir doch sicherlich verstehen, warum sie sich verhalten, wie sie es tun. Das stimmt jedoch nur für Maschinen wie etwa die Waschmaschine, deren Funktion eine direkte Folge ihres Designs ist. Bei Künstlicher Intelligenz (KI) ist es anders.

Was genau ist anders?

Künstliche Intelligenz beschreibt kognitiv komplexe Maschinen, die die Welt auf ihre Weise "wahrnehmen" und über einen gewissen Grad an Autonomie verfügen. Selbstfahrende Autos oder Bots in Sozialen Medien etwa agieren, ohne dass der Mensch sie steuert. Sobald eine Maschine über Autonomie verfügt und aus Erfahrung lernt, kann sie Verhaltensweisen an den Tag legen, die so niemand programmiert hat.