Wien. Klinisch sauber glänzt die Oberfläche des iPhone. Das Produkt soll rein aussehen. Es steht für Luxus. Dafür wird es in chinesischen Fabriken auf Hochglanz geputzt. Mehrere Male müssen es Arbeiter in langen Fertigungsstraßen reinigen. Sie verwenden Benzol, ein chemisches Mittel, das auch in Farben, Kraftstoffen oder Pestiziden enthalten ist. Es ist giftig und krebserregend.

Die Arbeiter tragen Atemmasken und Handschuhe. Doch die Masken müssen sie sich selbst kaufen. Zudem kann es in den Fabriken sehr heiß werden. Eine Zwölf-Stunden-Schicht damit hält kaum jemand durch. Sie atmen die Dämpfe ein. Das Benzol ätzt ihre Plastikhandschuhe auf. So kommen die Arbeiter in direkten Kontakt mit dem Mittel. Sind sie dem Gift langfristig ausgesetzt, schädigt es die inneren Organe und das Knochenmark. Sie werden krank.

Seit 1971 gibt es eine Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, um das giftige Benzol zu bannen. In westlichen Ländern wird die Chemikalie nur noch sehr eingeschränkt verwendet. In China nicht.

Regierung hält Zahlen zurück

Chinesische Arbeitsrechtorganisationen haben zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen Arbeiter, die mit Benzol hantierten, an Leukämie erkrankten. Wie viele genau betroffen sind, lässt sich nicht beziffern. "Die Regierung gibt die Zahlen nicht heraus. Auch die Unternehmen teilen uns nicht mit, wie viele Arbeiter krank werden", sagt Pak Kin Wan gegenüber der "Wiener Zeitung". Er arbeitet in Hong Kong für die NGO Labour Education and Service Network LESN, die sich seit 2001 für faire Arbeitsbedingungen in der Elektronikbranche einsetzt.

Die offizielle Krebsdiagnose stellt ein regierungsnahes Krankenhaus. Ein gesondertes Amt entscheidet, ob die Krankheit durch die Arbeit hervorgerufen wurde oder nicht. "Die Regierung hat das Interesse der Konzerne im Blick, nicht das der Arbeiter", sagt Matthias Haberl von der NGO Südwind. Zwischen der Diagnose und einer Entschädigung für den Arbeitsausfall vergehen manchmal Jahre, wie ein Bericht von LESN aus dem Jahr 2016 zeigt. Oft scheitern die Menschen an den bürokratischen Hürden.

In Städten wie Shenzen, Guangzhou oder Dongguan schlägt das Herz der chinesischen IT-Produktion. Am Leben gehalten wird es vom Strom der Migranten. 287 Millionen Menschen verließen laut chinesischem Statistikbüro 2017 ihre Heimat, um in den Städten im Perlflussdelta Arbeit zu finden. Sie sind die Basis für das rasante wirtschaftliche Wachstum, das China in den vergangenen Jahren hingelegt hat. Junge Chinesen, die versuchen, der Armut zu entfliehen. Sie lassen ihre Kinder in der Obhut ihrer Großeltern und hoffen auf einen guten Job in einer der zahllosen Fabriken. Sie glauben, ihre Lebensqualität würde sich verbessern. Schnell holt sie jedoch die Realität ein. "Täglich zwölf Stunden Arbeit, da bleibt keine Zeit mehr für ein Privatleben", sagt Wan.

Pak Kin Wan arbeitet bei Labour Education and Service Network (LESN), einer Nichtregierungsorganisation aus Hong Kong, die sich seit 2001 für faire Arbeitsbedingungen der Arbeiter in der Elektronikbranche einsetzt. Die NGO informiert Arbeiter über ihre Rechte und berät sie bei Themen wie Kündigungen, erzwungene Überstunden und ungeregelte Lohnzahlungen. Wan war auf Einladung von Südwind in Wien. - © Wiener Zeitung, Michael Ortner
Pak Kin Wan arbeitet bei Labour Education and Service Network (LESN), einer Nichtregierungsorganisation aus Hong Kong, die sich seit 2001 für faire Arbeitsbedingungen der Arbeiter in der Elektronikbranche einsetzt. Die NGO informiert Arbeiter über ihre Rechte und berät sie bei Themen wie Kündigungen, erzwungene Überstunden und ungeregelte Lohnzahlungen. Wan war auf Einladung von Südwind in Wien. - © Wiener Zeitung, Michael Ortner