Menlo Park/Berlin. Facebook-Chef Mark Zuckerberg musste sich zuletzt immer wieder entschuldigen: Für den Datenskandal um Cambridge Analytica, für einen Hacker-Angriff, für eine tollpatschige Kampagne gegen Kritiker. Inzwischen gibt es auch Probleme im Geschäft des Online-Netzwerks.

2018 war das Jahr, in dem sich die Teflon-Schicht von Facebook und Zuckerberg schließlich abnutzte. In der Vergangenheit schien es oft, dass jegliche Probleme am weltgrößten Online-Netzwerk schlicht abperlen, sei es Kritik am Datenschutz oder die Unfähigkeit, die Nutzer vor Hassreden oder Meinungsmanipulation zu schützen. Klar gab es Ärger, aber die Mitglieder wurden immer mehr, das Anzeigen-Geschäft wuchs rasant. Das Jahr 2017, in dem sich Facebook entschuldigen musste für russische Propaganda-Kampagnen im Zuge der US-Präsidentenwahl, die Donald Trump ins Weiße Haus brachte, wirkte wie eine abgeschlossene Episode. Stattdessen musste sich Facebook-Gründer Zuckerberg 2018 noch unzählige Male mehr entschuldigen.

Weniger Medieninhalte, mehr Privates

Anfang des Jahres versuchte Facebook, die Initiative zurückgewinnen. Zuckerberg kündigte im Jänner überraschend an, dass die Nutzer künftig mehr Beiträge von Freunden im Facebook-Newsfeed zu sehen bekommen - und weniger von Facebook-Seiten, denen man folgt. So sei das besser für das Wohlbefinden. Der Schritt werde nicht nur den Konsum von Katzenvideos (jedenfalls mit einem Nutzer nicht persönlich bekannten Tieren) senken, sondern wohl auch einen Teil der Medieninhalte etwas aus dem Blickfeld rücken, räumte Facebook ein. Es wirkte wie ein Befreiungsschlag, um dem Schlamassel mit dem US-Präsidentschaftswahlkampf zu entkommen: Weniger Platz für Politik bedeutet auch weniger Gefahr, dass nächstes Mal wieder gefälschte Propaganda-Accounts ihr Unwesen treiben.

Nach all den Jahren, in denen Facebook alles und jeden - Unternehmen, Medien, Influencer, Videofilmer - auf die Plattform zu locken versuchte, wirkte das wie ein Kurswechsel. Und Zuckerberg sagte der "New York Times": "Es ist wichtig für mich, dass wenn Max und August aufwachsen, sie das Gefühl haben, dass das, was ihr Vater aufgebaut hat, gut für die Welt war." Noch nie hatte der manchmal etwas emotionslos wirkende Milliardär so offen gezeigt, dass er sich um sein Vermächtnis - auch in den Augen seiner Kinder - sorgt.