New York. Projektionen von Wellen vermitteln den Eindruck, am Strand zu stehen und nicht in der kürzlich eröffneten Ausstellung "Unseen Oceans". Schwarzlicht im abgedunkelten Raum lässt Modelle von Fischen aufleuchten, die unter Wasser in neongrün oder grellorange fluoreszieren. Auf einer digitalen Leinwand schwimmen animierte Rochen und ein Pottwal, ein Schild erinnert daran, Fotos auf Instagram zu teilen.

Das American Museum of Natural History (AMNH) in New York modernisiert sich, und andere Museen in den USA mit ihm - ob zu Naturwissenschaft, Kunst oder Stadtgeschichte. "Vor einem Jahrhundert stellte man Tausend Fossilien mit einem lateinischen Namen aus und das war die Ausstellung", sagt Lauri Halderman, Ausstellungs-Leiterin beim AMNH. Aber "Ausstellungen verändern sich, Besucher ändern sich". Die Menschen seien heute "visueller", sagt ihre für interaktives Design zuständige Kollegin Helene Alonso. Und: "Ihre Aufmerksamkeitsspannen sind kürzer." In Zeiten ständiger Berieselung kann es Überwindung kosten, im stillen Ausstellungsraum nicht alle paar Minuten nach dem Handy zu tasten.

Tablets und Apps sind Standard

Und so ziehen die Museen mit. Tablets und interaktive Bildschirme gehören häufig zum Standard, Apps im Handy haben persönliche Führungen in Museen vielfach ersetzt. Im AMNH werden Besucher so etwa zum berühmten, fast 30 Meter langen Modell eines Blauwals gelotst, sagt Halderman - dann aber auch dazu ermutigt, nicht mehr auf ihr Display, sondern auf den Bauchnabel über ihnen zu gucken. Die App stützt sich auf ein Netzwerk aus 800 Funkbaken im gesamten Museum und zeigt Informationen zur unmittelbaren Umgebung an.

Auch die Spielerei mit Augmented Reality (AR) hat sich unter Kuratoren herumgesprochen. Dabei werden im Handy oder Tablet virtuell Texte, Grafiken oder Animationen über einen Gegenstand gelegt, sobald die Kamera auf dieses Objekt zeigt. Im Kennedy Space Center in Florida werden so Astronauten zum Leben erweckt, beim Getty Museum in Los Angeles kann man mittels AR eine virtuelle Vitrine aus Augsburg aus dem 17. Jahrhundert halten. Im Museum of Modern Art (MoMA) in New York fand AR kürzlich sogar ohne Vorwissen der Museumsleitung statt, als eine Künstlergruppe einige Jackson Pollock-Gemälde kaperte und mittels einer App eigene virtuelle Kunst darüberlegte.