Im Kreis der Zeitreisenden schätzt man es noch, das Papier: Da werden Bücher durchstöbert, gedruckte Zeitungen gelesen, ja sogar Briefe mit der Post verschickt. Freilich kann dabei mitunter etwas schiefgehen. Und damit kommen wir vom Papier zum "Papierln": Vor einiger Zeit traf ein verzweifeltes Schreiben von Dr. Gottfried Mazal, Bisamberg, auf elektronischem Wege in der Zeitreisenklause ein. Ein Brief, korrekt adressiert an das Geschichtsfeuilleton, war mit zwei postalischen Bemerkungen retour gekommen. "Nicht hier tätig!", informierte ein Aufkleber. Und ein anderer: "Annahme nachträglich verweigert" bzw. "Im Briefkasten vorgefunden". Dr. Mazal, für den es nicht der erste Zwischenfall dieser Art war, fragte verwundert: "Können Sie sich diesen Blödsinn erklären?"

Für das Zeitreisenteam bleibt es ein Mysterium; es kann nur mutmaßen: Es sei, erzählt man sich im Haus, durch den Adresszusatz "MQM" (Media Quarter Marx) schon zu Verwechslungen mit dem Museumsquartier (MQ), Wien 7, gekommen. Ob dies auch in diesem Fall passierte? Oder gab es eine andere Verwirrung? Diese Nuss scheint selbst für die Zeitreisen zu hart. Dr. Mazal ließ sich aber zu einem neuerlichen Versuch ermuntern und - hurra! - das Poststück traf ein . . .

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Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Zuschriften kommt nach wie vor postalisch in die Zeitreisenredaktion, die daher über so archaische Waffen wie einen Brieföffner verfügt. Manchmal befördert sie damit Erstaunliches ans Licht. So lag eines Tages ein gefalteter Zettel von Geschichtsfreundin Christine Sigmund, Wien 23, auf dem Schreibtisch, der die Recherchen der Tüftlerin zur (in Nro. 391 aufgelösten) Graz-Nuss begleitete. Neben freundlichen Grüßen und dem Namen der Absenderin standen dort nur zwei handgeschriebene Worte: "Kant lesen" ("Kant" unterstrichen). Liebe Frau Sigmund, wir wissen zwar nicht, ob dies als Aufforderung gedacht war, wir werden ihr aber gerne nachkommen!

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"Ob als Raumteiler oder Sitzunterlage. Bücher werden doch noch gebraucht." So stand es unlängst in einer Publikation, die sich mit Inneneinrichtung befasste. Zeitreisende Maria Thiel, Breitenfurt, ist da anderer Meinung: Ohne weiteres würde sie Bücher als "Schätze" oder "Freunde" bezeichnen. "Was hätte ich (Jg. 1940) als Schulkind dafür gegeben, einen eigenen Atlas oder sogar ein Englisch-Wörterbuch zu besitzen! Die Schulbücher bekamen wir in der Nachkriegszeit zwar leihweise, mussten diese aber vor Schulschluss wieder abgeben. Daheim gab es keine Bücher, und falls es welche gegeben hätte, wären diese den Bomben zum Opfer gefallen (meine Eltern wurden ausgebombt). Zur Anschaffung von Büchern reichte das schmale Familienbudget nicht."

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner