In den folgenden Jahrzehnten setzte das Fragamt seine Aktivitäten fort, ohne dabei viel Aufsehen zu erregen; auch die josephinischen Reformen brachten kaum Neuerungen, der Plan, das Amt mit der 1785 verstaatlichten Wiener Stadtpost - der "Kleinen Post" - zusammenzulegen, wurde schließlich nicht weiter verfolgt.

Mit "WZ" verbunden


Weiter blieb das Fragamt eng mit dem 1780 in "Wiener Zeitung" umbenannten "Diarium" verknüpft und war auch lange Zeit in deren Räumlichkeiten untergebracht.

Anfang des 19. Jahrhunderts, in den Jahren 1801 bis 1814, hörte das Fragamt allmählich zu existieren auf; spätestens 1814 ging es gänzlich in der nun reformierten "Wiener Zeitung" auf. Mit ihm verschwand eine Einrichtung, der von den Zeitgenossen nur wenig Bedeutung zugemessen wurde und die auch gemäß einer Einschätzung mehrerer Behörden bezüglich der Arbeitsvermittlung ihren Zweck nicht erreicht hatte; nur für die Immobilienvermittlung scheint das Fragamt eine gewisse Rolle gespielt zu haben.

Bemerkenswert ist, dass auch nach 1814 in Wien weitere Adressbüros gegründet wurden, von denen in erster Linie das 1819 von Baron Karl von Steinau und Joseph Jüttner geschaffene "Anfrage- und Auskunftscomptoir" zu nennen ist. Doch in den späteren Jahrzehnten des Vormärz scheinen diese Institutionen nicht den besten Ruf gehabt zu haben; aus den einstmals mit so hehren Absichten gegründeten Adressbüros waren scheel beäugte, schlecht beleumundete Anstalten geworden. Erst in der jüngsten Gegenwart erscheinen diese Einrichtungen wieder als Teil einer Geschichte des Suchens und Findens und können als Vorgeschichte einer Suchmaschine wie Google verstanden werden.

Dr. Anton Tantner ist Historiker und lehrt am Institut für Geschichte der Universität Wien; ein von ihm verfasster umfangreicher Artikel über das Wiener Fragamt erschien kürzlich in den "Wiener Geschichtsblättern" (Heft 4/ 2011). Website mit weiteren Publikationen: tantner.net