Palmers ist Österreichs größter Textilkonzern. Die in dem typischen Palmers-grün eingerichteten Geschäfte waren schon eher Luxusshopping, aber dennoch, Strumpfhosen wurden in den 70er und 80er Jahren dort auf jeden Fall gekauft – und zu Weihnachten Socken, Unterleibchen, Pyjamas und Nachthemden. Walter Michael Palmers leitete in den 80er-Jahren das von seinem Vater 1914 gegründete Familienunternehmen. Am 9. November 1977 wurde der 74-jährige Firmenchef abends, als er eben sein Auto, einen VW-Golf, vor seiner Villa im 18. Bezirk absperrte –– von drei Kidnappern entführt. Sein Sohn bezahlte rund 31 Millionen Schilling – rund zwei Millionen Euro – Lösegeld. Am 13. November wurde Palmers unbeschadet freigelassen. Die Entführung erschütterte Österreich und wurde in den Medien, selbstverständlich auch in "Aktenzeichen XY", quasi rund um die Uhr verfolgt. Die Entführer, österreichische Studenten mit dem Gruppennamen "Bewegung 2. Juni" und Anhänger der RAF, "Rote-Armee-Fraktion", eine linksterroristische Bewegung aus Deutschland, wurden erst auf ihrer Flucht über die Schweizer Grenze geschnappt. Für das Festhalten von Palmers hatten die Entführer eine Wohnung in Wien gemietet. Knapp 100 Stunden musste der Entführte in dem von den Gangstern als "Volksgefängnis" bezeichneten Raum verbringen. Der Fall löste übrigens ein Umdenken in puncto Sicherheit in Österreich aus, die Entführung war der Auslöser für die Gründung des Einsatzkommandos "Cobra", die Beamten wurden u. a. in puncto Antiterror-Bekämpfung ausgebildet.