Die junge Republik im Grippefieber
Die junge Republik im Grippefieber

"Das frühere Herrenhausmitglied Advokat Dr. Karl Beurle ist gestern abend, wie aus Linz berichtet wird, auf einer Automobilfahrt nach Wieselburg anscheinend an schwerer Grippe erkrankt." Diese Chronik-Meldung findet sich in der "Wiener Zeitung" vom 2.Jänner.1919. Was aus heutiger Sicht nach einer ziemlich unspektakulären Nachricht klingt, war damals alles andere als das. Denn zu jener Zeit wütete die berüchtigte spanische Grippe. Und die forderte mit geschätzten 25 Millionen Toten weltweit mehr Opfer als der gesamte Erste Weltkrieg. Ausgebrochen ist die Pandemie übrigens nicht, wie der Name vermuten lässt auf der iberischen Halbinsel, sondern in den Vereinigten Staaten. Sie war mit herkömmlichen Medikamenten kaum heilbar und legte auch in Österreich weite Teile des öffentlichen Lebens lahm. Die meisten Opfer forderte diese tödlichste aller Grippe-Infektionen unter den 15 bis 40-Jährigen. Unter ihnen war auch der gerade mal 28-jährige Egon Schiele.