Die Fristenlösung wird Gesetz - © Christian Broda: US 13.309/23 / Herta Firnberg: ÖNB FO401117/03
Die Fristenlösung wird Gesetz - © Christian Broda: US 13.309/23 / Herta Firnberg: ÖNB FO401117/03

Nachdem unter der NS-Herrschaft grundsätzlich die Todesstrafe auf Abtreibungen stand, führte man in Österreich zu Beginn der Zweiten Republik wieder den mariatheresianischen Paragraphen 144 ein. Damit wurde ein Schwangerschaftsabbruch generell unter Haftstrafe gestellt. Die Sozialdemokraten in Österreich hatten hingegen schon 1926 Straffreiheit für Schwangerschaftsabbrüche gefordert. Unter der sozialdemokratischen Alleinregierung und dem damaligen Justizminister Christian Broda wurde die große Strafrechtsreform beschlossen. Die war im Großen und Ganzen unumstritten – bis auf die Abschaffung des Paragraphen 144. Es gab heftigen Widerstand von ÖVP und FPÖ und ursprünglich auch innerhalb der SPÖ, bei der sich aber schließlich die Frauenorganisationen durchsetzten.

Somit wurde die so genannte "Fristenlösung" am 23. Jänner 1974 als Gesetz beschlossen und trat mit 1. Jänner 1975 in Kraft. Sie erlaubt den straffreien Abbruch innerhalb der ersten drei Monate einer Schwangerschaft. Ein Schritt, der jedoch das gute Verhältnis Bruno Kreiskys mit der katholischen Kirche belastete.