Karl Schranz wird von der olympischen Winterspielen in Sapporo ausgeschlossen - © NYBERG / AFP / picturedesk.com
Karl Schranz wird von der olympischen Winterspielen in Sapporo ausgeschlossen - © NYBERG / AFP / picturedesk.com

Es war ein Empfang wie für einen Volkshelden, der Karl Schranz bei seiner Rückkehr in Wien bereitet wurde. Fast 100.000 begeisterte Fans wollten ihren Helden sehen. Selbst der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky empfing ihn – wenn auch reserviert – im Bundeskanzleramt. Den Balkon des Kanzleramtes wollte Kreisky aber nicht mit Schranz betreten. Das Bad in der Menge überließ er ihm allein. Der hysterische Volksrummel erinnerte nicht nur Kreisky zu sehr an frühere Massenaufläufe in Österreichs dunkler Geschichte. Dabei hatte Karl Schranz in Sapporo an keinem einzigen Rennen teilgenommen. Was war geschehen?

Schranz, damals einer der besten Skirennläufer der Welt und Österreichs Medaillenhoffnung Nummer 1, wurde kurz vor Beginn der Olympischen Spiele 1972 in Japan vom IOC-Präsidenten Avery Brundage disqualifiziert. Aufgrund der damals gültigen Amateurvorschriften. Ein Aufschrei der Empörung ging daraufhin durch ganz Österreich. Das ging soweit, dass sogar Georg Danzer und André Heller gemeinsam einen Protestsong aufnahmen. Unter dem Titel "Der Karli soll leb’n" erreichte der Song immerhin einen respektablen Platz 9 in der damaligen "Hitparade".