Ein Unbestechlicher erobert Wien - © ÖNB/ Scherb, K:
Ein Unbestechlicher erobert Wien - © ÖNB/ Scherb, K:

Dass sich die Zeiten ändern, erkennt man oft eher an den kleinen als den großen Dingen. Beim Lustspiel "Der Unbestechliche" von Hugo von Hofmannsthal, im März 1923 im Raimund-Theater in Wien uraufgeführt, war das der Fall.
Das Raimund-Theater, nach dem österreichischen Dramatiker Ferdinand Raimund benannt, wurde im Jahr 1893 von einem Verein wohlhabender Bürger gegründet. Ab 1908 machte es sich einen Namen als Operettenhaus: Johann Strauß’ "Der Zigeunerbaron", "Glücksmädel" von Robert Stolz oder auch das auf Franz Schuberts Musik Bezug nehmende "Dreimäderlhaus" feierten hier ihre ersten großen Erfolge.

Doch mit Beginn der 20er-Jahre wehte ein neuer Wind in der Wiener Wallgasse, Sprechstücke standen nun vornehmlich auf dem Programm. "Der Unbestechliche" von Hugo von Hofmannsthal kam da gerade richtig. In fünf Akten erzählt es unterhaltsam die Geschichte vom Diener Theodor, Faktotum und heimlicher Regent über seine Herrschaften, der auf dem hochherrschaftlichen Gut für Ordnung sorgt. Und das nicht nur im Haus, sondern auch zwischenmenschlich, wenn er durch amüsante Irrungen und Verwirrungen seinen jungen Herrn vom Ehebruch abhält.

"Der Unbestechliche" ist bis heute ein Klassiker, das Raimund-Theater mittlerweile mehr bekannt für seine populären Musical-Aufführungen.