Ein brauner Professor sieht die rote Karte - © ÖBN / Salus
Ein brauner Professor sieht die rote Karte - © ÖBN / Salus

Nachkriegs-Österreich war lange Zeit Meister, die Nazi-Vergangenheit zu beschönigen. Ein Beispiel dafür ist der Fall des Hochschulprofessors Taras Borodajkewycz.

Bereits im Jänner 1934 Mitglied der in Österreich damals noch verbotenen NSDAP, wurde dieser 1937 Dozent an der Universität Wien, von 1942 bis 1945 dann Professor an der Deutschen Universität Prag.
1946 offiziell entnazifiziert, erhielt er dank guter Beziehungen zur ÖVP rasch wieder einen Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte an der heutigen Wirtschaftsuniversität Wien.

Doch Borodajkewycz vertrat im Lehrbetrieb weiterhin seine nationalistischen und antisemitischen Überzeugungen. 1962 griff der spätere Bundespräsident Heinz Fischer Borodajkewyczs fragwürdige Vorlesungspraxis auf Grundlage von Mitschriften des späteren Finanzministers Ferdinand Lacina an, wurde aber wegen Ehrenbeleidigung verurteilt. Erst als der spätere Zeitungsgründer Oscar Bronner im April 1965 Mitschriften der Vorlesungen im ORF veröffentlichen ließ kam es zum Eklat. Wobei Borodajkewycz tatkräftig mithalf, indem er öffentlich alle Zitate bestätigte und sich stolz zu seiner NSDAP-Mitgliedschaft bekannte. Demonstrationen folgten, wobei der Kommunist und Widerstandskämpfer Ernst Kirchweger vor dem Hotel Sacher von einem rechten Studenten am 31. März erschlagen wurde. Er war damit das erste politische Todesopfer der Zweiten Republik.

Dennoch dauerte es noch Jahre, bis Borodajkewycz nach langem Widerstand des damaligen Unterrichtsministers zwangsweise pensioniert wurde. Bei vollen Bezügen, versteht sich.