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"Vor 700 Jahren sind meine Vorfahren von der Schweiz nach Österreich gekommen. Nun nehme ich den gleiche Weg zurück." Mit diesen Worten verabschiedete sich Karl, bis 1918 letzter Kaiser von Österreich, als er und seine Familie im März 1919 mit einem Sonderzug ins Schweizer Exil aufbrachen.

Vorausgegangen war seine Verzichtserklärung vom 11. November 1918. Für die neue österreichische Regierung war Karl Habsburg nunmehr reine Privatperson. Vorher stellte man ihm vorsorglich ein Ultimatum: entweder offiziell abdanken, ausreisen oder interniert werden.
So kam es, dass sich die letzten Habsburger am Abend des 23. März auf den Weg ins Exil machten. Die englische Regierung stellte zu ihrer persönlichen Sicherheit eine Eskorte aus britischen Soldaten. Man hatte in London das Schicksal der russischen Zarenfamilie vor Augen, die zwei Jahre zuvor von den Bolschewiki ermordet worden waren.

Beim Verlassen Österreichs widerrief Karl jedoch seine Verzichtserklärung und versuchte in der Folge zweimal erfolglos, in Ungarn als König Károly IV. wieder an die Macht zu kommen. Im Binnenland Ungarn saß in der Zwischenzeit unter dem Titel "Reichsverweser" (als selbsternannter Statthalter der Habsburger) der Konteradmiral Miklós Horthy fest im Sattel und wollte von seinem König nichts wissen. Die Alliierten verbannten Karl daraufhin mitsamt seiner Familie auf die Insel Madeira, wo der letzte Kaiser Österreichs schließlich am 1. April 1922 an der Spanischen Grippe verstarb.