Flughafen Berlin Schönefeld, 30. März 1978. Kaum war Bruno Kreisky mit dem Sonderflieger der AUA gelandet, ertönte zackig-preußische Marschmusik. Eine Ehrenformation der Nationalen Volksarmee der DDR marschierte im Stechschritt schnurstracks auf den Bundeskanzler zu. Kreisky, ein Zivilist und Pazifist aus tiefster Seele, wich instinktiv zurück und brummte unüberhörbar: "Na, des fangt ja schön an."

Der Besuch des österreichischen Bundeskanzlers im Frühjahr 1978 war der erste eines westlichen Regierungschefs in der DDR. Für die "Entspannungspolitik" in Europa hatte die Visite im Rahmen von Kreiskys engagierter Nachbarschaftspolitik große Bedeutung.

Für die SED-Führung stand viel auf dem Spiel. Erhoffte sie sich doch eine Aufwertung ihres Staates durch den hochangesehenen sozialdemokratischen Politiker. Akribisch hatte sich die DDR denn auch auf diesen Staatsbesuch vorbereitet, bei dem als Höhepunkt der Orden "Großer Stern der Völkerfreundschaft" an Kreisky verliehen wurde.

Bruno Kreisky sollte die DDR zwar nicht wieder beehren. Doch sein Besuch öffnete die Tür für wichtige weitere Annäherungen und ebnete das Ende des "Kalten Kriegs" durch die "Entspannungspolitik".