Die 500-Schilling Ohrfeige - © ÖNB/ Hilscher
Die 500-Schilling Ohrfeige - © ÖNB/ Hilscher

Etwas überrascht war der Schriftsteller Hans Weigel schon, als er am Abend des 13. April 1956 aus seinem Wiener Stammcafe "Raimund" heraustrat. Die bekannte Burgschauspielerin Käthe Dorsch hatte dem ebenso bekannten Wiener Kritiker aufgelauert, um es ihm für seinen Verriss ihrer letzten Vorstellung heimzuzahlen. Die Aktrice trat ihm gegenüber und fauchte: "Ich finde es an der Zeit, dass Sie etwas auf Ihr ungewaschenes Maul bekommen." Sprach es und gab ihm ein paar saftige Ohrfeigen.

Dorsch war bekannt für ihre handfesten Argumente gegenüber Kritikern. Doch diesmal war sie an den Falschen geraten. Es kam zum Prozess, der damals in ganz Österreich für Aufsehen sorgte. Während Weigel den Antrag stellte, Frau Dorsch auf ihren Geisteszustand zu untersuchen, forderte ein Schauspielkollege Dorschs die Todesstrafe für Weigel, zumindest aber die Ausweisung aus Österreich. Der Richter verurteilte schließlich Käthe Dorsch zu drei Tagen Arrest oder 500 Schilling, der in solchen Fällen damals üblichen Geldstrafe. Die Dorsch soll danach nie wieder Kritiken gelesen haben.