Raissa Epstein-Adler: Eine "Emanze" in Wissenschaft und Politik - © Alfred Adler Institute of San Francisco and Northwestern Washington
Raissa Epstein-Adler: Eine "Emanze" in Wissenschaft und Politik - © Alfred Adler Institute of San Francisco and Northwestern Washington

Sie war die Frau von Alfred Adler, dem Begründer der Individualpsychologie. Vor allem aber war sie eine der glühendsten Vorkämpferinnen der österreichischen Frauenbewegung.

Noch bevor Raissa Epstein den berühmten Arzt Alfred Adler (nicht verwandt oder verschwägert mit dem Arzt und Gründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Viktor Adler) in Wien kennen lernte, hatte sie 1894 Moskau verlassen, um in Zürich zu studieren. Sie gehörte zu jenen mutigen jungen Frauen, die dazu beitrugen, dass Universitäten in ganz Europa ab 1900 ihre Tore für Frauen öffnen mussten.
Raissa Epstein reiste 1896 weiter nach Wien. Hier traf sie Alfred Adler, den sie ein Jahr später heiratete. Vor allem aber traf sie auf ein Gedankengut, das sie begeisterte. Sie wurde zur glühenden Sozialistin und Feministin, war befreundet mit dem russischen Revolutionsführer Leo Trotzki und Mitbegründerin der Internationalen Arbeiterhilfe in Österreich. Sie gebar vier Kinder und unterstützte Adler bei seinen Forschungen im Bereich der Individualpsychologie.

Im Februar 1934 wurde sie aufgrund ihres politischen Engagements - sie war mittlerweile der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) beigetreten – einige Tage lang inhaftiert. Der aufkeimende Faschismus veranlasste ihren Mann und sie 1935 in die USA zu emigrieren. Nach Alfred Adlers Tod 1937 lebte Raissa Adler zurückgezogen in New York, wo sie am 21. April 1962 88-jährig starb.