Der Gentleman mit den Eisenfäusten - © ÖNB/Blaha
Der Gentleman mit den Eisenfäusten - © ÖNB/Blaha

In Wien fehlte es kurz nach dem Krieg an allem – erst recht für einen ambitionierten Boxer wie den am 25. April 1923 geborenen Josef "Joschi" Weidinger. Es gab keine geeigneten Kampfstätten, keine Trainingshallen, keine Geräte, vor allem aber nicht genug zu essen.
Während der NS-Zeit hatte Weidinger mit dem Boxen angefangen und eine erstaunliche Bilanz vorzuweisen, doch nun schien seine Karriere zu Ende zu sein. Er begann ein Philosophiestudium, das er nach drei Monaten wieder abbrach. Weidinger entschied sich fürs Boxen – diesmal im Profilager. Dazu übersiedelte er nach Paris, um dort unter professionellen Bedingungen seine Technik und Kondition zu verbessern. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, unter dem Namen "Jo Weidin" wurde er zu einem Liebling des Pariser Boxpublikums. Weidinger überzeugte vor allem durch Ruhe und Eleganz, was ihm den Titel "Gentleman-Jo" einbrachte.

Seinen größten Kampf absolvierte er aber in Wien: 35.000 Zuschauer jubelten ihm im ausverkauften Praterstadion 1950 zu, als er den Franzosen Stefan Olek nach Punkten besiegte und Europameister im Schwergewicht wurde. Zwei Jahre später beendete er seine aktive Karriere, blieb dem Boxsport aber als Präsident des österreichischen Boxerverbandes und als Vizepräsident des WBC noch lange treu. Einer echter Champ gibt eben nie auf.