Die Packer Höhenstraße wird eröffnet - © ÖNB / Karnitschnigg
Die Packer Höhenstraße wird eröffnet - © ÖNB / Karnitschnigg

Es ist Frühling und die Automobilclubs freuen sich: Im Mai 1936 laden sie Auto- und Motorradfahrer zu einer Reihe von so genannten "Zielfahrten" ein. Einer der Höhepunkte ist jene zur feierlichen Eröffnung der Packer Höhenstraße am 30. Mai 1936. Die "Österreichische Auto-Rundschau" schwärmt: Die Straße rücke nicht nur Graz und Klagenfurt "einander näher, sondern erschließt auch das landschaftlich ungemein reizvolle Gebiet der Kor-Alpe und der Stub-Alpe den Kraftfahrer-Touristen neu." Die Rundschau empfiehlt, nach Ende der Eröffnungsfeier um 15 Uhr doch zur Eröffnung der Wörthersee-Sportfeste weiter zu fahren.

Rund fünf Jahre hatte der Bau der Straße gedauert, obgleich es schon im 19. Jahrhundert erste Pläne gegeben hatte, die Überquerung des Packsattels zu erleichtern. An die Packstraße knüpften sich von Anfang an vor allem wirtschaftliche Hoffnungen. Der Tourismus sollte an die Stelle des Bergbaus treten, eine Hoffnung vor allem für Kärnten. Der Kärntner Landeshauptmann Ludwig Hülgerth, aktiv in der austrofaschistischen "Vatzerländischen Front", formulierte es bei der Eröffnung laut der "Salzburger Chronik" so: "Der neue Straßenbau ist alten Spuren gefolgt, die der Handel seit Jahrhunderten gezogen hat. Einst gehörte das Gebiet, das die Packer Höhenstraße durchquert, zu den reichsten Bergwerksgegenden. Dieser Segen ist seit langem verschwunden oder es ist die Gabe verloren gegangen, ihn aufzufinden. Ein kräftig belebter Fremdenverkehr kann unserer Wirtschaft neuen goldenen Segen bringen. Wir wollen alles tun, um ihn zu erringen."

Der Landeshauptmann der Steiermark, Karl Maria Stepan, ebenfalls Mitglied der "Vaterländischen Front", bezeichnete die Straße als "Großtat" für ganz Österreich: "Für die Steiermark stellt die Straße vollends einen Ausweg aus der Notlage dar. Hier, wo wir stehen, war bis vor nicht zu langer Zeit das Ende der Welt für den modernen Verkehr. Die beiden blühenden Ansiedlungen zu unseren Füßen lagen in einer Sackgasse; jetzt sind sie in den großen Verkehr eingeschaltet. Die Straße verbindet uns in geistiger Hinsicht, sie fördert unser wirtschaftliches Leben."