Endlich Strom für Otto Wagners Stadtbahn - © ÖNB
Endlich Strom für Otto Wagners Stadtbahn - © ÖNB

Ende des 19. Jahrhunderts präsentierte Thomas Alva Edison in Paris die Glühbirne – es sollte aber noch Jahrzehnte dauern, bis sich die ersten Städte trauten, den elektrischen Strom als Energie- und Antriebsquelle zu nützen. In Wien stöhnte und jammerte die Bevölkerung unter der Stadtbahn – die ja unter Dampf fuhr, es stank und rauchte laut Augenzeugen fürchterlich in den Waggons. Bei den Stationen musste man ewig warten.

Der Architekt Otto Wagner, der den Bau der etwa 30 Stationen, der Brücken, Tunnel und anderen Anlagen entlang der etwa 40 Kilometer Bahn geplant hatte, hätte es sich nicht träumen lassen, dass diese Stadtbahn einmal leise und ohne Gestank dahingleitet. Wagner war gemeinsam mit Gustav Klimt 1897 einer der Begründer der Wiener Secession.

Wagner war übrigens davon überzeugt, dass die neue Bahn, die hauptsächlich oberirdisch verlief, von äußerster Wichtigkeit für eine moderne Stadt sei. Für ihn waren die ersten Ideen, dass eine Stadtbahn unterirdisch verläuft, undiskutabel. Deshalb stattete er auch die Strecke und Stationen besonders üppig mit dem eleganten Mauerwerk, Jugendstilmotiven wie etwa Sonnenblumenrosetten und Kränze in seinem typischen Stil aus.

Doch das Lichtthema musste gelöst werden, zu viel passierte mit der Öl- und Gasbeleuchtung. Bürgermeister Karl Lueger gründete eine stadteigene "Elektricitätsgesellschaft", die bereits 1902 erstmals Strom für die Straßenbahnen lieferte. Ab dieser Zeit wurden auch laufend Haushalte und andere Gebäude mit Strom versorgt – die Stadtbahn wurde ab 2. Juni 1925 elektrifiziert.