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Am 7. Juni 1920 fand der sogenannte Kirschenrummel in Graz statt. Historiker korrigierten dieses verharmlosende Wort jedoch als eine Revolte gegen den Hunger, die keineswegs amüsant war – wie das teilweise im Nachhinein dargestellt wurde. Der Kirschenrummel endete mit 15 Toten und zahlreichen Verletzten. Die Revolte begann kurz nach acht Uhr am Bauernmarkt auf dem Kaiser-Josef-Platz, als einige Frauen ihren Unmut über den hohen Kirschenpreis lautstark äußerten. Immer mehr Frauen schlossen sich ihnen an und forderten die sofortige Herabsetzung der überhöhten Preise für Obst und Gemüse. Die Polizei war machtlos. Die Frauen zogen weiter auf den Jakominiplatz, schnell waren an die 600 Leute versammelt, denn Passanten, Kriegsinvalide und "radaulustige Elemente" schlossen sich ihnen an.
Aus dem Kirschenrummel entstand dann in der gesamten Stadt Graz Chaos durch Plünderungen und der Zerstörung vieler Stände. Trotz der Gendarmerie-Intervention ließen die Demonstranten nicht locker – das Ergebnis war letztlich, dass eine Kommission zur Preisregelung eingerichtet wurde, die Wucherpreise vorerst einbremste.