Deutsch oder Österreichisch? - © ÖNB
Deutsch oder Österreichisch? - © ÖNB

Diskussionen, ob Österreich eine eigene Sprache hat oder nicht, gibt es schon lange. Am 17. Juli 1995 wurde von der EU "Österreichisch" als Sprache symbolisch anerkannt – bzw. zumindest 23 vermeintlich typisch österreichische Begriffe festgehalten. Obwohl "Deutsch" laut Artikel 8 der Bundesverfassung die Staatssprache von Österreich ist, gab es seit Jahrzehnten Bestrebungen, die in Wortschatz und Aussprache vorhandenen Unterschiede zu Deutsch zu betonen. Das Bildungsministerium gab dazu sogar eine Broschüre für Schulen heraus: "Österreichisches Deutsch als Unterrichts- und Bildungssprache". Sowohl für die Behörden als auch für den Schulunterricht ist nach wie vor das "Österreichische Wörterbuch" bindend.

Sprachwissenschaftler beschäftigten sich ebenso mit der Thematik und stellten nüchtern fest, dass es eigentlich keine österreichische Sprache gibt, sondern lediglich sprachliche Eigenheiten. Neben den Dialekten wurden ein starker Einfluss von den mittel- und südbairischen Dialekten, wie auch regionale Ausdrücke aus dem Tschechischen und französische Begriffen analysiert, teilweise noch aus der Zeit des Wiener Hofs.

Die EU-Liste der österreichischen Bezeichnungen enthält u. a. Erdäpfel, Eierschwammerl, Ribisel oder Powidl, diese wurden beim EU-Beitritt Österreichs im Protokoll Nr. 10 festgehalten, die parallel zu den bundes- oder binnendeutschen Bezeichnungen (gleichrangig) zu verwenden sind.

Der österreichische Literat H. C. Artmann hat übrigens 1995 gemeinsam mit der Lektorin Astrid Wintersberger ein kleines "Wörterbuch Österreichisch – Deutsch" im Salzburger Residenz-Verlag herausgebracht, das sich als Kassenschlager entpuppt hat.