Vegetarisch per Befehl - © ÖNB
Vegetarisch per Befehl - © ÖNB

Entbehrung kennzeichnete die österreichische Nachkriegszeit, das wurde auch am 20. August 1951 wieder deutlich, als das "Wirtschaftsdirektorium" zwei fleischlose Tage in der Woche einführte. Dienstags und freitags musste von nun an auf Fleisch verzichtet werden. Fleisch, Fleischwaren und daraus hergestellte Speisen durften weder verkauft noch in Gaststätten, Werksküchen, Beherbergungsbetrieben etc. ausgegeben werden. Selbst in Haushalten durfte Fleisch an den beiden Tagen nicht zubereitet oder genossen werden.

Der Rationalisierung ging eine Demonstration der Hausfrauen in der "Wiener Großmarkthalle" voraus, bei der sie die hohen Preise beklagten. Fleisch war freilich ohnehin knapp, die Fleischhauer weigerten sich aber, höhere Preise an die Bauern zu zahlen, was die Situation zusätzlich verschärfte. Wie bei anderen Lebensmitteln und Waren auch, blühte der Schwarzmarkt. Jene, die es sich leisten konnten und Zugang hatten, versorgten sich illegal zu den fantastischen Preisen, die die Schleichhändler forderten.

Bleibt die Frage: Was ist das "Wirtschaftsdirektorium", das diese Bestimmung erließ? Dabei handelte es sich um eine Organisation der Sozialpartner, die beide Seiten der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber institutionalisieren und so formell in das Regierungssystem integrieren sollte. Dieser Versuch scheiterte. Im April 1951 wurde das Direktorium gegründet, schon ein Jahr später entzog der Verfassungsgerichtshof der Institution die rechtliche Grundlage, wobei die Sozialpartnerschaft selbst als informelle Kooperation weiter erhalten blieb und Österreich in den folgenden Jahren prägen sollte. In der kurzen Zeit des Bestehens gehörten dem "Wirtschaftsdirektorium" der Bundeskanzler, der Vizekanzler, relevante Minister sowie die Spitzenvertreter der Sozialpartnerverbände an. Auch unpopuläre Maßnahmen wie die Fleischverknappung zählten zu deren Aufgabe.

Die Bestimmung vom 20. August 1951 blieb über ein Jahr, bis 22.7.1952, gültig.