Was für eine Premiere - © ÖNB / Ellinger, C.
Was für eine Premiere - © ÖNB / Ellinger, C.

Sommerzeit ist Festspielzeit – und zwar in Salzburg schon seit 98 Jahren. Am 22. August 1920 eröffnete die Aufführung des "Jedermann" am Domplatz die ersten "Salzburger Festspiele". Seit damals gilt das Stück als fixer Programmpunkt der sommerlichen Kulturveranstaltung, die heute mehr als 250.000 Menschen jährlich anzieht.

Das Grundkonzept wurde von Max Reinhardt und Hugo von Hofmannsthal bereits 1918 erdacht, wobei Reinhardt auch schon davor gemeinsam mit dem Dramatiker Hermann Bahr an ähnlichen Plänen arbeitete, die Finanzierung aber nicht klappte. Hofmannsthal und Reinhardt wollten jedenfalls einen kompletten Gegensatz zu den Festspielen in Bayreuth schaffen, bei denen sich alles exklusiv und zentralistisch um einen Komponisten drehte. In Salzburg hingegen sollte es mehrere Bühnen und Aufführungsorte geben, auch Theater sollte neben Konzerten und Opern Platz finden und Neues war ebenso erwünscht. Die Idee funktionierte und die ganze Stadt wurde zur Bühne. So kam es auch, dass die Neufassung des "Jedermann" am 20. August 1920 mitten im Volk, in der Öffentlichkeit, am Domplatz aufgeführt wurde. Dieser Tradition folgt das Festival bis heute, lediglich in der NS-Zeit war das Stück verboten. Es gehöre zur DNA der Salzburger Festspiele, heißt es auf der Produktionswebsite. Heute dauert das Festival sechs Wochen, über 200 Produktionen in fast 20 Spielstätten sind zu sehen. 16 Stücke werden extra für Kinder aufbereitet. Dennoch hat sich neben dem kulturellen Aspekt auch der Faktor Mammon einen festen Platz ergattert – und zwar nicht nur im "Jedermann". Ein Festspielgast bleibt mit durchschnittlich sechs Tagen weitaus länger als normale Touristen (1,6 Tage) in der Stadt und ihrer Umgebung. 77 Millionen Euro nimmt allein die öffentliche Hand mit den Festspielen ein.