Mehr Verzweiflung als Freude - © APAweb / Herbert Pfarrhofer / picturedesk.com
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Am 7. Oktober 2004 gab das Nobel-Preis Komitee bekannt, dass Elfriede Jelinek den Literatur-Nobelpreis bekommt. Die Schriftstellerin reagierte darauf eher mit Verzweiflung als mit Freude. Sie antwortete der Schwedischen Akademie umgehend, dass sie zur Preisverleihung nicht kommen werde. Als Grund nannte sie ihre psychische Verfassung. Vor allem aber betonte Jelinek, dass sie nicht darin interessiert sei, als Person nun an die Öffentlichkeit gezerrt zu werden – und dass Österreich dann mit "seiner" Nobelpreisträgerin "hausieren" geht. Denn immerhin war Jelinek die erste Österreicherin, die einen Literatur-Nobelpreis erhielt – und das wäre mit Sicherheit lauthals gefeiert worden.

In einem Interview meinte sie, dass sie "böse Ahnungen" hätte, dass der Preis eine Belastung für sie darstelle könnte. Sie hat auch vor 2004 einige Preise nicht mehr persönlich entgegengenommen – wobei Jelinek bereits eine Vielzahl an Auszeichnungen erhielt. Den Nobelpreis nahm Corinna Brocher vom "Rowohlt Theaterverlag" für sie stellvertretend in Stockholm entgegen. Der Preis ist mit rund 850.000 Euro dotiert. Die hohe Auszeichnung wurde ihr für ihr Gesamtwerk verliehen – ihre wichtigsten Werke sind "Die Liebhaberinnen", "Die Ausgesperrten", "Die Klavierspielerin", "Lust", "Gier" und "Neid". Sie hat aber auch einige Theaterstücke geschrieben, u. a. "Burgtheater" und "Rechnitz".

Die 1946 in der Steiermark geborene Schriftstellerin lebt zurückgezogen in Wien und München. Sie schreibt immer noch in ihrem gewohnt sarkastischen und provokanten Stil. Im Zentrum stehen Missstände im öffentlichen, politischen, aber auch im privaten Leben aus der österreichischen Gesellschaft. Per Wästberg, Sprecher der Schwedischen Akademie 2004, brachte ihre Botschaften auf den Punkt, sie sei eine Autorin, die mit ihrem Zorn und mit Leidenschaft die Leser in den Grundfesten erschüttert". Ihre Bücher und Stücke sind keine leichte Kost, von ihren Gegnern wurde sie als "Nestbeschmutzerin" bezeichnet. Der Erfolg gibt ihr aber recht. "Die Ausgesperrten" wie auch "Die Klavierspielerin" wurden verfilmt – und so wie auch ihre Theaterstücke begeistert aufgenommen.