Doyen der Kinderbuchliteratur: Christine Nöstlinger - © APAweb / Georg Hochmuth / picturedesk.com
Doyen der Kinderbuchliteratur: Christine Nöstlinger - © APAweb / Georg Hochmuth / picturedesk.com

Legendär sind Christine Nöstlingers Interviews, bei denen sie sich selten ein Blatt vor den Mund nahm – und sich schonungslos kritisch gegenüber den "neuen Eltern", der Pädagogik, dem Schulsystem und der Lehrerschaft äußerte. Nie verletzend, nie wertend, einfach und klar – aber bestimmt, waren jeweils die Geschichten in ihren Kinder- und Jugendbüchern, die allesamt vor allem eines im Zentrum hatten: Den jungen Menschen Mut machen, ihren Weg zu finden und sich nicht unterkriegen zu lassen.

Ihr Herz galt den Außenseitern und den Kindern, die mit der Pubertät kämpften. Nöstlinger bezog stets klare Positionen gegen Fremdenhass und Rassismus. Sie zählt mit über 100 Büchern zu den wichtigsten deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchautorinnen, sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen u. a. den Hans-Christian-Andersen-Preis und den Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis, sie bekam das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die "Republik Österreich" und war Trägerin des "Nestroy-Ringes".

Nöstlinger hätte heuer am 13. Oktober ihren 82. Geburtstag gefeiert. Sie wurde in Wien als Tochter des Uhrmachers Walter Göth und der Erzieherin Michaela Göth geboren. Sie berichtete von einer schönen Kindheit ohne Gewalt und Strafen – sie bezeichnete sich selbst als freches Kind. Nach der Matura wollte Christine Nöstlinger ursprünglich Malerin werden, entschied sich jedoch kurzer Hand für Gebrauchsgrafik an der "Akademie für angewandte Kunst". Sie war zweimal verheiratet, zuletzt mit dem Journalisten Ernst Nöstlinger, der 2009 starb. Nöstlinger hat aus beiden Ehen je eine Tochter.

Was vielleicht wenige wissen: Nöstlinger konnte lange Zeit nicht von ihren Büchern leben – sie arbeitete bei einer Tageszeitung, verfasste Drehbücher und moderierte eigene Sendungen im Radio. Sie ist die Erfinderin des "Dschi Dsche-i Wischer Dschunior", eine tägliche Comedy im Ö3-Wecker, deren Texte sie verfasste.

Ihre wichtigsten Werke sind u. a. "Die feuerrote Friederike", "Maikäfer flieg", "Die total verjüngte Oma", "Ein Mann für Mama" und "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig". Sie starb im Juni 2018 an einer chronischen Lungenerkrankung.