Die Kukuruzwette  - © ÖNB
Die Kukuruzwette  - © ÖNB

Nikita Chruschtschow, der damalige sowjetische Partei- und Regierungschef, war im Juli 1960 auf Staatsbesuch in Österreich – es ging um Abrüstungsfragen und die Restitution österreichischer Dokumente durch die Sowjets. Es war ein Freundschaftsbesuch. Chruschtschow behauptete während einem Ausflug mit Nationalratspräsident Leopold Figl, dass der russische Mais viel größer und zehnmal ertragreicher als der Österreichische sei. Dies ließ Leopold Figl, davor Bundeskanzler, nicht auf sich sitzen – und forderte den Russen zu einer Wette heraus. Der Sieger sollte ein Zuchtschwein erhalten. Beide legten Felder an – die Russen bauten mit ihrem Saatgut Mais in Rust an. Am 23. Oktober 1961 wurde die Ernte unter dem strengen Auge des sowjetischen Botschafters verglichen – und das Ergebnis zeigte, dass beide Länder nahezu gleichwertige Ernte-Ergebnisse hatten und der österreichische Mais dem sowjetischen um nichts nachstand. Chruschtschow schickte jedoch kein Schwein, sondern russisches Saatgut. Kukuruz ist übrigens die aus dem Slawischen und Ungarischen entlehnte, vor allem im Osten Österreichs gebräuchliche Bezeichnung für Mais.

Die Wette ging jedenfalls in die Geschichtsbücher ein und hatte für Österreich eine starke symbolische Bedeutung, sie spiegelte das gute Verhältnis der beiden Länder in den 60er-Jahren wieder und wurde im Sinne eines gestärkten österreichischen National- und Leistungsbewusstseins interpretiert.