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1940 wurde ich geboren. 1942 musste mein Vater zur Wehrmacht einrücken. Ihn kenne ich nur von Fotos. Bei seinem Heimaturlaub 1943 war ich keine drei Jahre alt. 1944 wurde er als vermisst gemeldet. Während seiner Militärzeit erhielt er den Amtstitel "Postbetriebsassistent". Alle Nachforschungen waren ergebnislos. Auch seine Erkennungsmarke blieb verschwunden. 1947 kaufte meine Mutter einen Radioapparat. Grund war die Verlautbarung der Heimkehrertransporte. Bei jeder Sendung hofften wir, den Namen des Vaters zu hören. An ihn erinnern mich nur wenige Fotografien, sein Dienstausweis und die Kappe seiner österreichischen Postler-Uniform. Weiteres Erinnerungsstück ist eine Farbzeichnung, die ein russischer Kriegsgefangener angefertigt hatte. Nach der Grundausbildung in Olmütz war mein Vater Bewachungssoldat eines Kriegsgefangenenlagers, bevor er nach Russland abkommandiert wurde. An ihn erinnert auch sein Name am örtlichen Kriegerdenkmal. Dieses betrachte ich auch als Ersatz für eine Grabstelle. Wie und wo genau mein Vater ums Leben kam, ließ sich nicht klären. Letzter Ort, an dem er noch lebt, war ein Dorf in der Nähe von Chmelnik am Bug. Nach dem Staatsvertrag wurde er amtlich für tot erklärt. Bis dahin hatte meine Mutter gehofft, dass er in russische Gefangenschaft geraten sei.

Herbert Trautsamwieser,

Pensionist (Jg. 1940),

3621 Mitterarnsdorf