Marie Moser im Jahre 1917 als das jüngste Familienmitglied. - © Doku Lebensgeschichten
Marie Moser im Jahre 1917 als das jüngste Familienmitglied. - © Doku Lebensgeschichten

Es begann in Südtirol. Vater war neun Jahre in Meran bei der Bahn. Er war halber Beamter, mit starkem Hang zur Kunstwelt. Die Geige bedeutete ihm sehr viel. Er war in einer Kapelle als Geiger tätig. Er heiratete die stille, bescheidene Marie Kuenz, die er beim Tanzen kennengelernt hatte. Mit Schmunzeln muss ich daran denken, denn Mutter war sehr lebensnah und hatte schon als Kind auf dem Bauernhof mitarbeiten müssen.

Von 1920 an kann ich mich zurückerinnern. Ich war vier Jahre alt. Südtirol kam zu Italien und Vater musste entscheiden - entweder sich unfreiwillig nach Süditalien versetzen lassen oder zurück nach Österreich, von wo er stammte. Mutter ging ungern fort, war sie doch Südtirolerin. Es geschah trotzdem. Wir wurden in einem Eisenbahnwaggon einquartiert, vier Tage bis Kärnten. Ein kleiner Ofen wurde beigestellt. Mutter musste für uns dort kochen, dies mit drei Kindern und Vater.

An diese Tage habe ich auch meine erste Erinnerung, an eine kleine Stiege, die zum Waggon hinaufführte. Ich höre noch, wie Mutter sagte: "Pass auf beim Heruntersteigen!"

In Kärnten waren wir in einer Keusche untergebracht. Küche mit Steinboden, Klosett außerhalb. Eine Kuh war unsere Milchlieferantin. Da Mutter dem Bauernstand entstammte, kamen auch ein Acker, ein Schwein, Hühner und Hasen in Betracht. Das rettete uns das tägliche Auskommen, denn Vater war zeitweise "in der Luft". Ihm hatte man einen Posten bei der Bahn angeboten, der nicht seiner Position in Meran entsprach. Aus war’s mit seiner Toleranz - er ließ sich das nicht gefallen und verließ, ohne auf Mutters Rat zu hören, die Eisenbahnerlaufbahn. Es war die größte Dummheit seines Lebens. Nun begann der unsichere Lebenskampf.

Maria Moser (1916-2002),

ein Beitrag der Doku Lebensgeschichten der Universität Wien.