Elfriede Hofbauer mit ihren Eltern bei deren Goldener Hochzeit im April 1989. - © privat
Elfriede Hofbauer mit ihren Eltern bei deren Goldener Hochzeit im April 1989. - © privat

Auch lange nach Kriegsende war für mich damals Vierjährige noch nicht alles vorbei - sobald ich ein Flugzeug sah oder hörte, stürzte ich noch lange in wilder Panik in den Keller hinunter. Aber dann, etwas später, dieses unvergleichliche Gefühl der Erleichterung: Ich sehe und höre ein Flugzeug und ich brauche keine Angst mehr zu haben!

Dann fällt mir auch noch der Tag ein, als meine Großmutter mit offenen Haaren ins Zimmer gestürzt kam und rief: "Der Klemens ist dabei, der Klemens ist dabei!" Sie frisierte sich nämlich morgens immer neben dem Radio um nur ja nicht zu versäumen, wenn durchgesagt wird, ob ihr Sohn "dabei" ist.

Dann war es endlich so weit: Meine Mutter und ich standen mit vielen anderen in einer Runde vor dem Ostbahnhof, aus dem einzeln die Spätheimkehrer hervortraten, bzw. manchmal auch -wankten. Und dann hingen wir beide weinend an diesem ausgemergelten, mir eigentlich unbekannten, aber keinen Moment fremden Mann.

Meinen Eltern war es noch vergönnt, die Goldene Hochzeit zu feiern, und wenn ich es bedenke, haben wir allen Grund, dem Schicksal dankbar zu sein.

Elfriede Hofbauer (Jg. 1941),

Pensionistin,

1220 Wien