Anton Hölzl wurde in der Ersten Republik wegen seiner eleganten Kleidung zur Zielscheibe seiner politischen Gegner. - © Parlament
Anton Hölzl wurde in der Ersten Republik wegen seiner eleganten Kleidung zur Zielscheibe seiner politischen Gegner. - © Parlament

Die Maßschuhe des ehemaligen Bundeskanzlers Bruno Kreisky scheinen noch immer die Gemüter des goldenen Wiener Herzens zu bewegen, wie eine Bemerkung im "Standard" vor nicht allzu langer Zeit zeigt. Ich möchte darauf hinweisen, dass zum Beispiel Karl Seitz, einer der verdientesten und bekanntesten Vertreter der österreichischen Sozialdemokratie in der Ersten Republik und Bürgermeister von Wien, als einer der bestangezogenen Politiker seiner Generation bezeichnet wurde.

Mein eigener Großvater mütterlicherseits Anton Hölzl, Abgeordneter zum Nationalrat der Esten Republik, der den größten Wiener Wahlbezirk (Wien Südost) mit den Arbeiterbezirken Favoriten, Simmering und Meidling vertrat, ist ebenfalls immer sehr gut gekleidet gewesen! Ich besitze in meinem Familienarchiv eine Karikatur aus einer Zeitung der schwarzen Reichshälfte, in der Anton Hölzl lächerlich gemacht werden sollte. In dieser Karikatur wurde hervorgehoben, dass er im Parlament bei einer Rede unter seiner Jacke ein sogenanntes Gilet (Weste) getragen hat. Offenbar sollte ein Sozialdemokrat nur mit Kappl und abgetretenen zerlöcherten Schuhen in der Öffentlichkeit erscheinen oder in die Kirche gehen um Almosen zu erbitten . . . !

So weit, so schlecht. Aber die Zeiten ändern sich oft nur millimeterweise. Ich wünsche mir für alle Klassen gute und bequeme Kleidung, die gut sitzt und erschwinglich ist.

Wolfgang Georg Fischer (Jg. 1933),
Ehrenpräsident des österreichischen Pen-Klubs, 1030 Wien