Uhren besaßen für russische Besatzer große Faszination. - © ullstein bild - Imagno / Votava
Uhren besaßen für russische Besatzer große Faszination. - © ullstein bild - Imagno / Votava

Als ich in Ihrer Zeitung über die "Russen-Uhren" las, fiel mir auch eine Geschichte ein: Es war 1955, bevor Österreich von der Besatzung frei wurde. Die Russen hatten in unserer Nähe ein Lager und es waren circa zehn Panzer nebeneinander aufgereiht, direkt im Wald, neben unserem Schulweg. Wir hatten immer große Angst, wenn wir dort vorbeigehen mussten, denn das Zielrohr der hohen Panzer war direkt auf uns gerichtet. Die Angst war in unseren Augen zu sehen und die Russen freuten sich wohl darüber.

Eines Tages kamen wir von der Schule und mein Bruder unterhielt sich mit den Russen, da er die Sprache lernte. Ein Besatzer forderte ihn auf, er solle Uhren von zu Hause bringen, dann dürfe er mit dem Gewehr, das sie uns entgegen hielten, schießen.

Mein Bruder lief schnell nach Hause und wollte die Armbanduhr und den Wecker von der Mutter nehmen, aber die Mutter erwischte ihn und nahm ihm beides weg. Sein Traum vom "Schießen" war vorbei.

Ich bin froh, dass wir heute in einem glücklichen Land ohne Unruhen leben, und ich hoffe, solche Zeiten wie damals nie mehr erleben zu müssen.

Leopoldine Lusnik (Jg. 1941),
Pensionistin

1220 Wien