Nach Buchhandelslehre und Präsenzdienst fragte ich mich 1964: "Was nun?" Da stieß ich auf ein Inserat einer französischen EDV-Firma. Dort wurde ein Kurs für Lochkartentechnik angeboten. Das ist etwas, das mich interessiert, dachte ich mir. So erlernte ich die Kunst, Schaltungen (Steuerungen) für Lochkartenmaschinen zu entwickeln. Für diese Technik gab es Sortiermaschinen, Mischer, Doppler, Tabelliermaschinen, die hardwaremäßig Funktionen erfüllten, die heutige Softwarelösungen (besser) abbilden. Mit Schalttafeln wurden verschiedene Anwendungen (Buchhaltung, Bestellwesen, Materialwirtschaft, etc.) mit vorwiegend 80-stelligen Lochkarten bewältigt.

Als einer der Besten des Kurses wurde ich an ein Kundenunternehmen des französischen EDV-Lieferanten vermittelt. So wurde mein weiteres Leben durch ein Inserat wesentlich beeinflusst und eine Weiche zur EDV- und Informationstechnologie gestellt.

Manchmal bastelte ich auch unorthodoxe Schaltungen, denen Kollegen nicht ganz trauten. Einmal misslang mir das. Da gab es einen Rückstrom und dieser brannte eine Narbe auf die Abfühlstation der Maschine. Das war nicht so gerne gesehen. Als Herausforderung gab es eine Schalt- oder Stecktafel, für die einmal im Quartal das Ablesen von zwei Lochkartenspalten zu tauschen war. Eine eigenartige Lösung, aber so war es halt, man musste eben mit den achtzig möglichen Spalten einer Lochkarte sparsam umgehen (heutzutage, wo man in Dimensionen von Gigabytes und mehr denkt, fast unvorstellbar). Diese Tafel war mit Kabeln und Relais überladen. Es war äußerst mühsam, diese Änderung durchzuführen. Dazu war es auch riskant, da ein Kabel leicht beschädigt werden konnte und dann viel Zeit aufgebracht werden musste, um es aufzuspüren. Ich hatte nun die geniale Idee, die Änderung nicht an der Tafel, sondern in der Maschine an den Abfühl- und Prüfbürsten durchzuführen. Das ging einige Male gut. Aber wie es so ist, Genies sind manchmal zerstreut. So vergaß ich einmal auf das Beseitigen dieser Änderung.

Ein Kollege der anderen Schicht beobachtete zwei Tage später einen Ausdruck an der Tabelliermaschine. Der kam ihm eigenartig vor. So wurde ein Techniker verständigt, der alles aufdeckte. Als ich wieder zur Arbeit kam, wurde ich bereits mit Prügel erwartet. Ich gab mich bestürzt und streute Lochkartenflinserl (Überbleibsel vom Stanzen der Löcher, ähnlich wie Konfetti) auf mein Haupt und damit war die Sache wieder bereinigt.

Warum man gleich auf mich als Übeltäter für die Tat kam, war mir nicht ganz schlüssig. Jedenfalls hatte ich aus der Sache gelernt und in Hinkunft bei solchen Vorgängen einen Zettel angebracht, der an die Änderung erinnern sollte. So funktionierte EDV.

Peter Jürß (Jg. 1943),

Pensionist,

1160 Wien