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Gesandter Franz Rader fragt (Tagebuch v. 22. 9. 2018), ob Vordrucke der Schulzeugnisse mit der Wasserdruckbezeichnung "Österreichischer Landesverlag" in der Nazizeit bis 1944 einfach aufgebraucht wurden, ohne dass "Österreich" auffiel. Das ist gut beobachtet! Davon angeregt, ergibt die Nachschau meiner vom Ausbomben geretteten Schulzeugnisse Näheres. Nach dem "Anschluss" 1938 wurde im Formular aus dem Österreichischen Bundesverlag der Österreichische Landesverlag und so sind Formulare tatsächlich bis 1944 verwendet worden. (Dann findet sich die "Leistungsbescheinigung Kinderlandverschickung".) Unterhalb dieser systemwidrigen Bezeichnung jedoch steht ein Aufdruck mit wechselnden Produktions/Geschäftszahlen: So "schon" seit 1941 "Ostmärkischer Verlag" und zuletzt 1944 "Deutscher Schulverlag Wien". Trotz dieser Anpassungen des Verlagsnamens wurden - vielleicht aus Sparsamkeit wegen Papierknappheit - Formularreserven offenbar weiterverwendet. Subversiven Widerstand des Drucker Josef Müller, Wien 27, schließe ich eher aus. Dennoch bleibt es erstaunlich, dass weder in der Produktion, der Lehrer- und Elternschaft, noch vielleicht von einem strammen Hitlerjungen dagegen protestiert wurde. Wichtiger war wohl nicht das Papier - wer schaut schon drauf - als der erste Blick auf die Zeugnisnoten.

Hon.-Prof. Dr. Hanns Waas

Jurist (Jg. 1928),

1190 Wien