Als fünftes Kind einer ärmlichen Familie in Hernals wuchs ich bei meinen Eltern auf. Die Wohnverhältnisse waren beschränkt, da zeitweise eine alleinstehende Schwester der Mutter und eine Cousine bei uns lebten. "Schmalhans war öfters Küchenmeister", aber Hunger litten wir nie, obwohl Vater oft arbeitslos war.

Er war als Gelegenheitshelfer sehr gefragt, da er geschickt war und zu allen Reparaturarbeiten in der Nachbarschaft geholt wurde. Das große Eckhaus in der Geblergasse hatte einen begrünten Hof mit zwei Lindenbäumen, die den Hausfrauen für verschiedene Tätigkeiten wie Wäsche Aufhängen, Teppichklopfen, Kleider Ausbürsten etc. diente.

Meine Schwester und ihre Freundinnen spielten im Hof, uns Buben aber "gehörte" die Gasse. Dort verbrachten wir unsere Freizeit, nachdem die Aufgaben erledigt und von der großen Schwester überprüft worden waren. Auf den Straßen der Bezirke außerhalb der Gürtelstraße gab es kaum Verkehr: Autos waren damals äußerst selten zu sehen, hie und da fuhr ein Pferdefuhrwerk durch.

Wir spielten "Anmäuerln", ein Spiel mit bunten Kugeln, die nach bestimmten Regeln auf Gehsteig und an der Hausmauer gerollt wurden, oder vergnügten uns mit unseren "Fetzenlaberln" auf der asphaltierten Fahrbahn. Eines Tages hatten meine Freunde und ich, sowie sechs oder acht Buben aus der Nachbarschaft, die Idee, Wettfahrten auf der etwas abschüssigen Geblergasse, wo wir wohnten, zu veranstalten.

Gesagt, getan! Die Greißlerin schenkte uns Bretter von alten Kisten und Lebensmittelsteigen, die wurden zusammengenagelt: Wir bauten uns Tretroller (heute: Scooter!). Aus den Werkzeugkisten des Vaters "borgten" wir das Nötige zum Zusammenbauen dazu und ein Altwarenhändler überließ uns alte Kugellager als Räder.

Der Start war bei der Wattgasse, es ging leicht bergab, bis zum Ziel bei der Rosensteingasse, wo Straßenbahnschienen die Straße überqueren. Die erste Probefahrt gelang ohne Probleme und mit Hallo veranstalteten wir einige Wettfahrten.

Der ohrenbetäubende Lärm, den wir verursachten, störte unserer Begeisterung wenig. Der Nachmittag verging wie im Fluge. Als wir am nächsten Nachmittag wieder mit unseren "Rollern" antraten, erwarteten uns bereits zwei Polizisten von der nahen Wachstube. Mit ernsten Worten sprachen sie von "Erregung öffentlichen Ärgernisses durch Lärmbelästigung der Bewohner". Wir hätten unsere "Wettfahrten" sofort einzustellen. Schweren Herzens schlichen wir mit unseren selbst gebastelten "Fahrzeugen" heimwärts, und unsere Väter übernahmen schließlich die Entsorgung.

Unsere sorglose Kindheit war vorbei, als im März 1938 deutschen Truppen Wien besetzten. Nach Abschluss der Hauptschule und Lehrzeit folgte die Einberufung zum Arbeitsdienst, nachher kam der Einrückungsbefehl zur Deutschen Wehrmacht.

Ing. Erich Unmuth (Jg. 1926), Pensionist,

1190 Wien