Meine Großeltern hatten sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges einen Hasen in der Wohnung gehalten, den Hansi. Dieser Hansi hüpfte in der Zwei-Zimmer-Wohnung auf dem Geiselberg immer hinter ihnen her.

Dann kam die Zeit, da sollte der Hase Hansi gegessen werden. Das wurde aber immer wieder hinausgeschoben. Eines Tages musste es aber doch geschehen. Dem Großvater oblag es, den Hansi im Wohnzimmer zu schlachten. Die Großmutter saß weinend in der Küche, der Hansi hätte geschrien, so sagte es die Überlieferung. Die Großmutter musste dann den Hansi zubereiten. Meine Mutter kam mittags auf Besuch, da saßen ihre Eltern schon weinend am Esstisch. Den Hansi konnten sie nicht essen. Meiner Mutter hingegen soll er gut geschmeckt haben. Jetzt führt an der ehemaligen Wohnung meiner Großeltern im dritten Stock an der "Simmeringer Had" (Haide, Heide) die Stadtautobahn "Südost-Tangente" vorbei. Beim Vorbeifahren kann man heute von oben in die Wohnung blicken. Autogeknatter statt Vogelgezwitscher dominieren nun vor den Fenstern an der Simmeringer Had.

Peter Jürß (Jg. 1943),

Pensionist,

1160 Wien