Zutritt ins Wembley-Stadion. 1951 war eine Eintrittskarte zum Ländermatch in London viel Geld wert. - © privat
Zutritt ins Wembley-Stadion. 1951 war eine Eintrittskarte zum Ländermatch in London viel Geld wert. - © privat

Im November 1951 war Österreich noch rückständig und hinterwäldlerisch. Es gab keine Auslandsreisen oder studentische Kontakte. Unvermittelt traf mich eine Einladung als Reiseleiter mit einem Sonderzug nach London anlässlich eines Ländermatches im Wembley-Stadion. Außerdem sollte ich für etwa 150 Personen eine Stadtrundfahrt organisieren.

Ich war über den Auftrag hellauf begeistert und stürzte mich sofort über Stadtpläne und Beschreibungen von London, ersuchte um einen Tag Urlaub vom Schuldienst und wurde am Wiener Westbahnhof zur Betreuung von drei Waggons nach London gesteckt. Nun sollte ich etwa 150 Personen befragen, ob sie in London eine Stadtrundfahrt buchen wollten. Von einem Abteil zum anderen bestand kein Interesse. Die vorwiegend männlichen Teilnehmer waren durchwegs Bahn-Pensionisten, die ihre Auslands-Freifahrten nutzten.

Endlich hatte ich drei Damen für eine Stadtrundfahrt gefunden. Die Fahrt war für uns alle ein Erst-Erlebnis. Besonderes Interesse weckte der Transfer der drei Waggons auf ein Kanal-Schiff und die Fahrt durch den Südosten Englands mit Einfamilienhäusern und Dachantennen.

Die Fahrt zum Stadion geriet wegen eines Staus (!) unter Zeitdruck und als schon der "Wembley-Roar" zu hören war, sprangen unsere Reisenden aus den Bussen und liefen zu den Eingängen. Die Besucher auf den nummerierten Sitzen (!) staunten, als wir daherhetzten und die richtigen Plätze suchten.

Die 100.000 englischen Zuschauer erwarteten einen hohen Sieg ihres Teams und so wurde das Ergebnis von 2:2 von uns als echter Sieg gefeiert. Für Österreich spielten damals unter anderen Walter Zeman, Ernst Happel, Gerhard Hanappi, Karl Decker, Ernst Ocwirk und Ernst Melchior.

Prof. Dr. Hermann Holzwarth,

ehem. Lehrer (Jg. 1922),

1210 Wien