Bis zum derzeit laufenden Umbau prägte Holzdesign das Bild des Parlaments. - © picturedesk.com/apa-Archiv/Hans Klaus Techt
Bis zum derzeit laufenden Umbau prägte Holzdesign das Bild des Parlaments. - © picturedesk.com/apa-Archiv/Hans Klaus Techt

Eine der zahlreichen Aktionen, die ich im Rahmen meines Berufslebens als Tischlermeister mit meiner Firma durchführte, gestatte ich mir an dieser Stelle anzuführen, weil mir das Ergebnis aus dem Jahr 1956 fast täglich vor Augen geführt worden ist und mir jedes Mal ein sanftes Erinnerungsschmunzeln entlockt hat. Die Neugestaltung des großen Sitzungssaales im Österreichischen Parlament, damals mit dem Titel "Neues Herrenhaus" versehen und bis vor kurzem noch der Raum, in dem alle Reden, Aufträge und Abstimmungen des Nationalrats über die Bühne gingen, sollte nach den Plänen der Architekten in allen Bereichen mit schönem Nussholz ausgeführt werden.

Um das geforderte einheitliche Erscheinungsbild zu erreichen, war eine ordentlich große Menge an Nussfurnieren vonnöten, die alle den gleichen Charakter an Farbton und Zeichnung aufweisen mussten. Offenbar gab es nun aber im österreichischen Raum unüberwindliche Schwierigkeiten, entsprechende Nuss-Stämme innerhalb der für die Produktion verbindlich feststehenden Zeitspanne aufzutreiben.

So kam es, dass der junge Musil, das absolute Greenhorn unter all den bei dieser Baustelle versammelten erfahrenen Firmenchefs, sich zusammenpacken musste und mit der Eisenbahn bis nach Slavonsky Brod ins damalige Jugoslawien des Marschall Tito fuhr. Dort war nämlich eine der größten europäischen Furnierfabriken, die Slavonija, angesiedelt.

Ich durchsuchte einige Tage lang die weitläufigen Lagerhallen und stellte schließlich eine halbe Waggonladung an farblich und strukturmäßig abgestimmten Nussfurnieren zusammen, die ich schließlich nach Wien transportierte. Hier zerteilte ich dann in weiterer Folge meine Stammware an alle an der Innendekoration des "Neuen Herrenhauses" mitwirkenden Firmen.

Und so sah ich bis vor kurzem bei allen Fernsehübertragungen aus dem Parlamentsgebäude am Ring die von mir vor vielen Jahrzehnten ausgewählte Furniere im Bereich der Regierungsbänke und auch sonst überall im ganzen ehrwürdigen Gebäude.

Dkfm. Eduard Musil (Jg. 1929),

Tischlermeister i. R.,

1190 Wien