1957 wohnte ich als 13-Jähriger bei der Philadelphia-Brücke. Da gab es ein damals bekanntes Gasthaus "Türk", das übrigens noch bis 2017 existierte.

In diesem Lokal arbeitete ein Kellner, ein gewisser Herr Ignaz. Ihm wurde eines Tages sein Motorrad gestohlen, eine rote JAWA-Maschine. Einige Tage danach ging ich zu einem Fußballmatch meines Lieblingsvereins Wacker- Wien. In einer Nebengasse vor dem Wackerplatz, in der Zenogasse, sah ich zufällig die gestohlene JAWA, die hier abgestellt worden war.

Sofort eilte ich zu Herrn Ignaz zum Gasthaus "Türk" und berichtete ihm von seinem Motorrad, das er auch prompt abholte. Als Dank versprach er mir einen Finderlohn von hundert Schilling oder ein anderes Geschenk.

Ich entschied mich für einer Federballgarnitur der Meidlinger Firma "Komperdel" im Wert von rund 120 Schilling, die er mir auch umgehend kaufte. Meine Mutter nähte mir dann aus einem alten Vorhang ein Netz dazu. So konnten meine Freunde und ich in unserem Hof tolle Federball-Meisterschaften mit Punkten und Tabelle spielen.

In den kommenden Jahren war ich dann Dauerkunde bei der Firma "Komperdel", denn durch die vielen Spiele riss oft eine Saite von der Bespannung, und so trug ich die Federballschläger oft zur Reparatur nach Gaudenzdorf, wo die Firma ihren Sitz hatte.

Übrigens, eine Saite neu zu bespannen kostete damals fünf Schilling.

Franz Gradwohl (Jg. 1944),

Kfm. Angestellter,

1230 Wien