1980 war ich Mitarbeiter des Bürgerdienstes der Stadt Wien unter dem damaligen Kultur-Stadtrat Helmuth Zilk. Ich wurde der "Polenhilfe" zugeteilt. Sitz dieses Flüchtlingsstützpunktes war ein ehemaliges Café im Stadtbahnbogen am Wiener Gürtel.

Anlässlich eines Geburtstages von Bundeskanzler Bruno Kreisky kam ich auf die mehr oder weniger grandiose Idee, eine von mir am Flohmarkt entdeckte mechanische Spieldose, mit welcher man die "Internationale" abspielen konnte, Kreisky an seine Privatadresse zu schicken. Er stand ja schließlich auch im Telefonbuch!

Das Geschenk samt Glückwünschen löste bei vollem Betrieb der Polenhilfe einen Besuch von zwei Staatspolizisten aus. Ohne jedes Feingefühl forschten sie lautstark nach einem Herrn Kovarik. Kurzum: Mein Päckchen war verdächtig und ich wurde hochnotpeinlich zu seinem Inhalt befragt.

Einige Wochen später erreichte mich ein kurzes Schreiben Kreiskys. Es enthielt folgenden Hinweis: "Mein kleiner Enkel Oliver sitzt gerade da bei mir in der Armbrustergasse und spielt damit. Herzlichen Dank."

Prof. Ferry Kovarik (Jg. 1941), Ottakringer Original, Buchautor, 1160 Wien